Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Damit noch weniger noch mehr verdienen

Für die weit über drei Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie stehen Lohnverhandlungen an. Die Ausgangsforderung der Gewerkschaft IG Metall liegt bei mindestens 3,5 Prozent Lohnsteigerung. Dabei bildet sich die Gewerkschaft ein, mit ihren Forderungen auf dem Boden der wirtschaftlichen Realität zu stehen. Ihre Kalkulation lautet: Im nächsten Jahr wird ein Produktivitätsfortschritt von 2,0 Prozent und eine Geldentwertung von 1,3 Prozent vorausgesagt, macht zusammen 3,5 bis 4,5 Prozent Lohnsteigerung. Was die Wirtschaftsspezialisten der Gewerkschaft verschweigen: Damit bleibt bestenfalls die Beschäftigungshöhe stabil, wird aber kein Arbeitsloser eingestellt. Wohlgemerkt das beste, aber auch das unwahrscheinlichste Ergebnis. Praktisch sicher ist dagegen, daß nach einer solchen Lohnsteigerung eine große Anzahl von Unternehmen Konkurs anmelden und weitere Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Das ließe sich nur vermeiden, wenn die Löhne deutlich geringer als der Produktivitätsfortschritt plus Inflationsrate steigen. Je weniger, um so eher entsteht umgekehrt eine Situation, in der Arbeitslose eingestellt werden. Noch günstiger wäre eine Reallohnsenkung, also eine Lohnsteigerung, die geringer ausfällt als die Inflationsrate. Die Betrachtung trifft für die Durchschnittslöhne zu. So könnten die Leistungsfähigeren durchaus mehr Lohn erhalten, wenn die Leistungsschwachen noch weniger bekämen, die Beschäftigten vor allem in direkte Konkurrenz zu den leistungsfähigen Arbeitslosen treten müßten. Das erfordert allerdings eine Lockerung des Kündigungsschutzes, für Gewerkschafter ebenfalls undenkbar. Sie verharren lieber in stupider Lobbyarbeit für immer weniger Arbeitsplatzbesitzer.

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