Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Gefallene deutsche Soldaten

Irritiert reagiert die Öffentlichkeit in dieser Woche auf  erneut zu beklagende Todesopfer der Bundeswehr in Afghanistan. Bei einer Patrouillenfahrt waren am Montag in der Provinz Kundus zwei Soldaten gefallen. Gefallen? Noch immer schreckt die Bundesregierung davor zurück, die im Einsatz getöteten Soldaten als „gefallen“ zu bezeichnen, weil man steif darauf beharrt, daß es sich beim Afghanistan-Engagement nicht um Krieg handelt. Doch das ist Haarspalterei. Zwar hat man es nicht mit einer regulären Armee als Gegner zu tun. Doch auch die deutschen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg durch die Hand von Partisanen getötet wurden, sind Gefallene und werden nicht als „Gestorbene“ abgehakt. Deutschland befindet sich in Afghanistan mit dem Nato-geführten Isaf-Einsatz in einer kriegerischen Auseinandersetzung, wenn man die Operationen der paramilitärisch operierenden Taliban nicht als Terroraktionen einer kleinen Gruppe verniedlichen möchte. Wir befinden uns in einem Partisanenkrieg. Diese Partisanen nützen ihre asymmetrische Unterlegenheit gegenüber den technisch hochgerüsteten Soldaten der Isaf-Truppe gnadenlos aus. Getarnt als Zivilisten, senden sie ihre Selbstmordkommandos aus und treffen den Gegner hinterhältig — unter Inkaufnahme von Opfern unter der Zivilbevölkerung. Beim jüngsten Anschlag starben fünf in der Nähe des Bundeswehr-Konvois spielende Kinder. „Wie Marsmenschen“ (Peter Scholl-Latour) laufen die gepanzerten westlichen Soldaten durch ein Land, das die Taliban-Herrschaft nicht zurückwünscht, dessen stolze Bewohner aber die Anwesenheit von westlichen Besatzungssoldaten und insbesondere Amerikanern als unerträglich empfinden. Was sollen wir in Afghanistan? Es ist eine mit dem Leben von bereits 30 Bundeswehrsoldaten bezahlte Schnapsidee, daß wir am Hindukusch die Freiheit Deutschlands verteidigen. Der jüngste Anschlag war, wie Taliban-Sprecher erklären, vielmehr eine direkte Antwort auf die in der letzten Woche beschlossene Aufstockung des Bundeswehrkontingents um 1.000 Mann. Eingeigelt in den Festungen verlassen 80 Prozent der Soldaten nie die Hochsicherheitstrakte. Experten beteuern, daß unsere Soldaten geachtet werden, die pure Anwesenheit der Isaf-Truppe eine neuerliche Ausbreitung der Taliban verhindere. Doch nochmal: Was haben wir dort verloren? Der Anschlag vom 11. September 2001, auf den der Afghanistan-Einsatz ursächlich zurückgeht, wurde von Saudis geplant und durchgeführt. Warum räumen wir nicht in diesem despotischen Wüstenstaat auf und beteiligen uns dort an der Bildung von „zivilgesellschaftlichen Strukturen“, wie die Berliner Politiker säuseln? Dreimal dürfen wir raten. Zu suchen haben wir dort jedenfalls auch nichts. Der Einsatz, der Terror eindämmen sollte, gebiert neuen Terror. Deutsche Soldaten, einst respektiert, werden — auch weil sie sich kaum offensiv verteidigen dürfen — zum verachteten Terrorziel. Ein Rückzug geht nicht von heute auf morgen. Deutschland muß in der Nato einen geordneten Rückzug in Gang bringen — daran führt kein Weg vorbei.

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