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Springer und die 68er

Große Ereignisse werfen ihre Schatten hinter sich“, pflegte der unvergessene Komiker Heinz Erhardt zu ulken. Ob das aber auch für das Erscheinen des Buches „Der große Selbstbetrug“ von Kai Diekmann gilt, das seit Mittwoch dieser Woche im Handel ist? Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung, hat dafür gesorgt, daß sein Opus unter irritierendsten Schattenspielen an die Öffentlichkeit kam. Man weiß nun nicht mehr, was hinten und was vorne ist. Angeblich ist das Buch eine harsche Abrechnung mit den 68ern, aber vorgestellt wurde es vom Alt-68er Michael Naumann, prominentes SPD-Mitglied und Kandidat seiner Partei für die nächste Bürgermeisterwahl in Hamburg. Naumann „verachtet“ die Bild-Zeitung nach eigenen Worten „zutiefst“ und beschimpft sie als „das Geschlechtsteil der deutschen Massenmedien“. Beim Smalltalk nach der merkwürdigen Naumann-Promotion wurde heftig darüber getuschelt, ob Diekmann „sein“ Buch denn nun auch wirklich selbst geschrieben habe oder nicht. „Ghostwriter“ wurden genannt: Matthias Matussek vom Spiegel, wie Naumann Alt-68er, oder Ulf Poschardt, Chefredakteur der deutschen Ausgabe von Vanity Fair. Im Springer-Verlag, bei dem die Bild-Zeitung erscheint, gab es (in der letzten Welt am Sonntag) zwar einen kleinen Vorabdruck aus dem „Diekmann“-Buch, aber auf derselben Seite wurde gleich angekündigt, daß in der nächsten Ausgabe der Zeitung eine „Replik auf die Thesen von Diekmann“ erscheinen werde. Springer-Vorstand Mathias Döpfner, so ist zu vernehmen, sei gar nicht glücklich über das Buch, was man gut verstehen kann. Er bemüht sich ja seit langem in schon rührender Weise um eine „Versöhnung“ zwischen dem Haus Springer und den 68ern bzw. Alt-68ern und hat dafür schon so manchen Canossagang in der Öffentlichkeit absolviert. Die Bild-Zeitung und die 68er passen inzwischen ausgezeichnet zueinander. Was die letzteren einst anpriesen und mit terroristischen Mitteln durchzusetzen versuchten, macht die Bild heute tagtäglich zu ihrem Programm: Bekämpfung aller bürgerlichen und sittlichen Werte auf breitester Front, Verlust jeglicher Scham, allgemeine Verblödung, Lobpreis des krassesten Egoismus (genannt „Selbstverwirklichung“) auf Kosten der Gemeinschaft. Insofern wirkt der Titel des „Diekmann“-Buches, „Der große Selbstbetrug“, fast wie Selbstkritik. Natürlich muß man das Buch erst vollständig lesen, um es beurteilen zu können, doch schon jetzt läßt sich sagen: Die Art und Weise, wie es unter die Leute gebracht wurde, gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. Ein Ruch von Korruption liegt in der Luft. Die Münchner Zeitschrift Focus äußerte die Vermutung, daß ein regelrechtes Arrangement zwischen Diekmann und Naumann abgeschlossen worden sei: „Ich, Naumann, verzichte künftig auf öffentliche Bild-Beschimpfung, ihr, die Bild-Zeitung, attackiert mich nicht im Hamburger Wahlkampf.“ Wie ulkte Heinz Erhardt so schön? „Jede Krähe hackt der anderen ein Auge ins Gesicht.“ Mit anderen, modernen Worten: Jedem 68er sein Pöstchen, bei Springer oder anderswo. Wir betrügen uns doch nicht selbst. Betrogen werden immer nur die anderen.

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