Rückkehr zum Alltag

Haben Sie auch beobachtet, ob die deutschen Fahnen wieder aus dem Straßenbild verschwinden? Zunächst erwartete ich, daß die erste Welle nach dem verlorenen Halbfinalspiel gegen Italien am vorvergangenen Dienstag abgehängt wird. Doch nein: im Gegenteil – alles blieb beflaggt. In einer fröhlichen „Jetzt erst recht“-Stimmung schienen sich noch die letzten WM-Muffel hinter der Nationalmannschaft zu scharen, um bis zum „kleinen Finale“ am letzten Samstag mitzufiebern und mitzufeiern. Fahnen ab nach dem Abschied vom „Weltmeister der Herzen“ am Sonntagmorgen? Nein, es kommt ja noch das Finale. Heute ist Dienstag, Redaktionsschluß der Zeitung. Auf dem Weg zur Arbeit sind mir immer noch zahllose Autos mit Deutschlandflaggen begegnet. Viele können sich noch nicht von diesen Farben trennen. Deutsche aller Klassen waren offensichtlich erleichtert, einmal über alles Trennende hinweg das selbstverständlich vorhandene Gemeinschaftsgefühl auszuleben. Nun, nachdem die WM vorbei ist, der Müll von den Fanmeilen gekehrt wird und der Alltag zurückkehrt, schlägt die Stunde derjenigen, die den „neuen Patriotismus“ wieder kleinreden oder umwidmen wollen. Paradigmatisch für eine nationsvergessene Generation, verklemmt und verbiestert bis auf die Knochen, zerfressen vom nationalen Komplex ist Claudia Roth, die Vorsitzende der Grünen. Ihren Namen nur zu nennen, löst bei einem durchschnittlichen Publikum schon Stöhnen und mittelschweres Augenrollen aus: Stellvertretend für die Grünen und ihre Klientel erklärte sie jetzt als WM-Resümee: „Es war wirklich so, daß die Bundesbürger, daß Deutschland sich als Freundinnen und Freunde der Gäste präsentiert hat.“ Frau Roth kennt keine Deutschen mehr, sondern nur noch Bundesbürger. Politisch vollends korrekt hätte sie allerdings sagen müssen: „Bundesbürgerinnen und Bundesbürger“. Nun gut. Doch dann gilt es, den Patriotismus zu interpretieren, der die Deutschen während der WM ergriff. Nach Claudia Roth eine Fata Morgana, denn: „Ich fand das gar nicht als Neuauflage von Patriotismus oder gar von Nationalismen, sondern das war einfach eine Riesenfußball-Leidenschaft … Ich habe auch gehißt, ich habe die Regenbogenfahne gehißt, zum ersten Mal in meinem Leben eine Fahne aufgehängt. Das sollte auch ein Zeichen sein, wir freuen uns, es ist multikulturell. Das fand ich übrigens auch bemerkenswert, daß das Unwort des Jahres ‚Multikulti‘ nun in den letzten Wochen zu dem Standortvorteil geworden ist, wenn in den Zeitungen überall berichtet worden ist, Deutschland feiert das größte Multikulti-Fest auf der ganzen Welt. Schauen Sie, so ändert Fußball dann doch viel.“ Ist das nicht herrlich? Die schwarz-rot-goldene WM-Begeisterung in Wirklichkeit ein basisdemokratisch-subversives Plebiszit der Deutschen für den Multikulti-Traum von Claudia Roth? Und Deutschlandfahnen wurden einfach nur deshalb aufgehängt, weil die Regenbogenfahnen ausverkauft waren? Mal sehen, was in den nächsten Tagen noch an absurden Interpretationsversuchen angeboten wird, um uns das neue Nationalgefühl madig zu machen.

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