Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Stimme der Moral

Führende Vertreter der Weltchristenheit haben Papst Johannes Paul II. als herausragenden Kirchenführer gewürdigt. Kritisch sehen einzelne die mangelnde Modernisierung des Katholizismus, sein Nein zu Priesterinnen und seine strikten Vorstellungen zur Sexualmoral. Der US-amerikanische Evangelist Billy Graham – neben dem verstorbenen Papst einer der am weitesten gereisten und bekanntesten Prediger – nannte Johannes Paul II. „die fraglos einflußreichste Stimme der letzten 100 Jahre für Moral und Frieden in der Welt“. Geprägt hätten ihn sein starker katholischer Glaube und die Erfahrung kommunistischer Tyrannei in seiner Heimat. Sein Mut und seine Standhaftigkeit in Altersschwäche und Krankheit seien für Millionen Menschen eine Inspiration. Zur Beisetzung ist der Baptist eingeladen, wird aber aus gesundheitlichen Gründen nicht reisen können. Wie der verstorbene Papst leidet Graham an der Parkinsonschen Krankheit. Die Bemühungen Johannes Pauls II. um die Ökumene würdigten hohe Repräsentanten des Weltkirchenrats. Der Vorsitzende des Zentralausschusses, der armenisch-orthodoxe Katholikos Aram I. (Beirut), erklärte, der Papst werde als herausragende Persönlichkeit der modernen Geschichte des Christentums in Erinnerung bleiben. Unbeirrt sei er dafür eingetreten, daß menschliche Gesellschaften von moralischen Werten geleitet sein müssen. Der Generalsekretär des Weltkirchenrats, der Methodist Samuel Kobia (Genf), würdigte, daß sich Johannes Paul II. zum „unumkehrbaren Engagement der römisch-katholischen Kirche für die Ökumene“ bekannt habe. Dem Weltkirchenrat gehören 347 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen an; die römisch-katholische arbeitet in einigen Gremien mit. Als „Meilenstein“ in den lutherisch-katholischen Beziehungen hob der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Ishmael Noko (Genf), die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung der Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999 in Augsburg hervor. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), würdigte Johannes Paul II. als einen der bedeutendsten Päpste der Kirchengeschichte. Seine Menschlichkeit und Frömmigkeit hätten ihn zu einem geistlichen Führer und einer moralischen Instanz gemacht. Allerdings habe er den Weg der Ökumene „stets mit einer besonderen Distanz betrachtet“, so Huber. Deutsche Kardinäle Unter den insgesamt 117 wahlberechtigten Kardinälen aus aller Welt, die den nächsten Papst bestimmen werden, sind auch sechs Deutsche: – Walter Kasper, 72, geboren in Heidenheim, war von 1989 bis 1999 Bischof von Rottenburg-Stuttgart. Heute ist er Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Kardinal seit 2001. – Karl Lehmann, 68, geboren in Sigmaringen, ist seit 1983 Mainzer Bischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Kardinal seit 2001. – Joachim Meisner, 71, geboren in Breslau, war Bischof von Berlin. Seit 1988 ist er Erzbischof von Köln. Kardinal seit 1983. – Joseph Ratzinger, 77, geboren im bayerischen Marktl, war Erzbischof von München-Freising. Seit 1981 ist er Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan. Kardinal seit 1977. – Georg Sterzinsky, 68, stammt aus Warlack/Ostpreußen. Seit 1989 Bischof, seit 1994 Erzbischof von Berlin. Kardinal seit 1991. – Friedrich Wetter, 77, geboren im pfälzischen Landau, war Bischof von Speyer und wurde 1982 Nachfolger Ratzingers als Erzbischof von München-Freising. Kardinal seit 1985.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles