Kritik an JF-Interviews

Allmählich hängt es einem zum Hals heraus: Letzte Woche verebbt die Aufregung um das Interview, das Rolf Hochhuth der JUNGEN FREIHEIT gegeben hat. In der Skandal-Drehtür gab er sich mit Friedhelm Farthmann, dem langjährigen SPD-Fraktionsvorsitzenden von NRW, die Klinke in die Hand. Farthmann hatte in einem JF-Gespräch (JF 10/05) mit dem von Rot-Grün geplanten Antidiskriminierungsgesetz und der „Political Correctness“ scharf abgerechnet und den Rücktritt von Außenminister Fischer wegen der Visa-Affäre gefordert. Grund genug für den Bonner Generalanzeiger, das Thema auf die Titelseite vom 4. März zu heben mit der Schlagzeile: „SPD-Politiker attackiert Fischer in JUNGE FREIHEIT – Farthmann: Minister soll zurücktreten“. Immerhin wurden im Generalanzeiger, dem alten „Hauptstadtblatt“ des westdeutschen Provisoriums am Rhein, lange Auszüge aus dem Farthmann-Interview wiedergegeben. Dann aber kommt der immer wiederkehrende Hinweis auf die „Beobachtung“ der JF durch den Verfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen. Farthmann pariert den Vorwurf, einer solchermaßen „verdächtigen“ Zeitung ein Interview gegeben zu haben, mit der Antwort: „Die ständige Bekämpfung (der jungen freiheit) durch das Meinungskartell finde ich schlimm.“ Letzte Woche veröffentlichte die JF ein Gespräch mit dem SPD-Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky. Dieser Lokalpolitiker ist für seinen Mut zu bewundern, über die Realität der „multikulturellen Gesellschaft“, wie sie sich im Stadtteil mit dem höchsten Ausländeranteil Berlins darstellt, Fraktur zu reden. Kaum war die JF am Kiosk, schlugen die Wellen der Empörung hoch. Er solle zurücktreten, forderten postwendend Vertreter der Grünen und der PDS, denen der unbequeme Politiker schon länger ein Dorn im Auge ist (siehe auch Bericht auf Seite 5). In welchem geistig-moralisch desolaten Zustand sich die örtliche CDU jedoch befindet, kann man an ihrer Reaktion auf das JF-Interview mit Buschkowsky erkennen: Sie stellt sich nicht vor den Angegriffenen, nein, sie will sich an die Spitze der politisch Korrekten setzen! Der Neuköllner CDU-Kreisvorsitzende Wolfgang Branoner warf sich in die Brust: „Buschkowsky hat sich ins Abseits gestellt. Ich fordere die SPD auf, ihren Bezirksbürgermeister aus dem Verkehr zu ziehen. Er schadet den Integrationsbemühungen in Berlin und in Neukölln.“ Über den Tagesspiegel ließ indessen der SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy die Nachricht lancieren, der SPD-Parteivorstand habe eine „24 Punkte umfassende Handlungsanleitung“ zu einer „Offensive gegen den Rechtsextremismus“ erarbeitet. Unter „Punkt elf“ werde die Forderung ausgesprochen, „keinerlei Beiträge oder Interviews“ für „extrem rechte Zeitschriften“ zu geben. Ausdrücklich erwähnt werde die JUNGE FREIHEIT. Offen ist jedoch, ob der SPD-Vorstand dem bedenklichen Vorschlag Edathys folgt. Das SPD-Theorieorgan Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte (Chefredakteur: JF-Interviewpartner Peter Glotz) schlägt im März-Heft einen anderen Weg ein und startet eine Debatte über „Patriotismus von links“ (siehe Besprechung auf Seite 19).

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