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Ein Vorbild

Im September haben Sie nach 52 Jahren verlegerischer Tätigkeit die Geschäftsführung Ihrer Verlagsgruppe an Ihre Tochter Brigitte Fleissner-Mikorey übergeben. Dies ist eine große Zäsur nicht nur für Ihr Verlagshaus, sondern auch die deutsche Verlagslandschaft insgesamt. (…)

Dr. Herbert Fleissner antwortete einmal im Fragebogen der JF, was für ihn Heimat bedeutete: das Egerland. Was ihm wichtig ist: die Freiheit. Was ihm seine Eltern mitgegeben haben? Mut. Welches Ereignis für die Welt das einschneidendste gewesen ist? Die Vertreibung 1945. Was Sie verändern möchten? Die Anerkennung der Menschenrechte auch für die Deutschen in der tschechischen Republik. An was Sie glauben? An das Recht. Wofür Sie alles stehen und liegen lassen? Wenn meine Familie mich braucht.

Mit diesen kurzen Antworten ist das Schicksal und der emotionale Hintergrund des Menschen Herbert Fleissner scharf umrissen. Die Vertreibung aus Ihrer Heimat Egerland, wo Sie 1928 geboren wurden, der Verlust von Freiheit und Recht für Sie, Ihre Familie und Ihren Volksstamm, die Sudetendeutschen, ist das Schlüsselerlebnis, das Ihr verlegerisches Wirken bis heute prägte.

Wie viele Vertriebenenfamilien mußten Sie sich Ihre Existenz nach Flucht oder Deportation wieder aus dem Nichts aufbauen. Als Student verfaßten Sie in Innsbruck ein erstes Werk über die Vertreibung – und veröffentlichten es im Selbstverlag. Den Vertrieb nahmen Sie ebenfalls selbst in die Hand, so entstand die Basis für Ihr späteres Verlagsimperium. Schritt für Schritt, mit der Übernahme namhafter Verlage wie Amalthea (1962) Herbig (1966), Langen Müller (1967), Universitas 1972 und zahlreicher weiterer Verlage stießen Sie in die strenggehüteten Bezirke des deutschen Buchverlagswesens vor, wo man sorgsam darauf achtete, unter sich zu bleiben. Heute umfaßt die Buchverlagsgruppe Langen Müller Herbig 16 namhafte Verlage, deckt ein breitgefächertes inhaltliches Spektrum ab von Belletristik bis Sachbuch und zählt zu den größten der Branche.

Ihrer Verlagspolitik, auch nicht-linke, konservative Literatur für ein breites Publikum zu verlegen, stieß von Anfang an auf scharfen Widerstand. (…) Diesem Kampf gegen die "Schweigespirale", so der Titel des von Ihnen verlegten Klassikers von Elisabeth Noelle-Neumann, haben Sie sich zeitlebens verschrieben. Dieses Netz der Schweigespirale haben Sie immer wieder mutig durchstoßen. (…)

Sie sagten aber einmal: "Wir wollen bestimmte Wertvorstellungen mittels unserer Bücher transportieren, Bertelsmann will Profite optimieren. Hätte ich je anders gedacht, wäre ich damals in eine andere Branche eingestiegen." Das zeichnet Sie aus. Sie provozierten immer wieder durch politische und zeitgeschichtliche Autoren, denen die etablierten Buchverlage sich verschlossen.

Sie haben aus einer weitgehend eindimensionalen Verlagslandschaft eine zweidimensionale geschaffen. Sie haben das notwendige Gegengewicht stabilisiert, ohne das die Demokratie zur Farce wird. Ernst Nolte umschrieb dies anläßlich Ihres 75. Geburtstages im letzten Jahr treffend so:

"Ich wage die kühne These, daß die deutsche Demokratie in der intellektuellen Sphäre auf zwei Augen steht, auf den Augen von Herbert Fleissner. Ohne ihn und seine Verlage hätte eine wichtige Strömung des Denkens und Empfindens keine weithin vernehmbare Stimme, nämlich die ‚rechte‘ Strömung, die sich deutlich von der ‚Suhrkamp-Kultur‘ unterscheidet. Aber daß die ‚Suhrkamp-Kultur‘ und alles, was mit ihr zusammenhängt, nicht alleinherrschend sei, müßte eine essentielle Forderung all jener ‚linken Leute‘, sein, die sich über die These von den ‚zwei Augen‘ entrüsten oder mit spöttischem Schweigen darauf antworten werden. Eine Demokratie, in der es im intellektuellen Bereich nur Linke und im politischen Felde bloß zwei kaum verschiedene Volksparteien gäbe, wäre keine ‚freiheitliche‘, sondern bestenfalls eine ‚amputierte‘, die zu einem neuartigen Totalitarismus tendieren würde."

Lange bevor von verkrampften Patriotismusdebatten die Rede war, haben Sie Grundlagen für eine "Selbstbewußte Nation" gelegt, wie einer Ihrer programmatischen Buchtitel hieß. Für diese patriotischen Autoren haben Sie einen großen und weiten publizistischen Salon mit vielen Fenstern in alle Himmelsrichtungen geschaffen. Sie vereinten Autoren schillernder politischer Couleur unter einem Dach, von Hellmut Diwald, Ernst Nolte, Alexander Solschenizyn über Joachim Fernau, Karlheinz Weißmann, Klaus Rainer Röhl bis zu Ephraim Kishon, Simon Wiesenthal und Willy Brandt, Gerhard Löwenthal oder Fritz Schenk.

Sie brachten es auf die Formel, daß "die freiheitliche Rechtsordnung unseres Landes, die Menschenrechte, wie etwa das Recht auf Heimat, und der Patriotismus" Ihr verlegerisches Programm sind. Sie haben stets der Verlockung des Opportunismus widerstanden, aber auch sind Sie nie stehengeblieben und haben, wie sie sagten, Ihre "Aufgabe nicht darin gesehen, gegen ‚Windmühlen‘ anzukämpfen, sondern die Erinnerung an Geschichte und Tradition der ehemals deutschen Länder-Siedlungen im Osten wachzuhalten, dafür einzutreten, was recht ist, und den heimatlos gewordenen Menschen ein Stück Trost und Hoffnung zu geben."

Wenn es einen deutschen Verleger gibt, der für mich beim Aufbau der JUNGEN FREIHEIT ein Vorbild ist, dann sind Sie das, Herr Dr. Fleissner. Ich habe Sie 1990 in München das erste Mal getroffen – ich war damals 23 Jahre alt! -, und Sie haben vom ersten Moment an die JUNGE FREIHEIT, die damals kaum jemand kannte, und meine Idee geglaubt. Ihr Vertrauen und Ihre vielfältige Unterstützung haben mir in vielen Momenten geholfen. Sie haben mir – und vielen anderen – mit Ihrem außergewöhnlichen Lebensweg Mut gemacht, etwas mit geringen Mitteln aufzubauen, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und auch gegen jahrelange Widerstände durchzufechten.

Die Witwe des von Ihnen verlegten Joachim Fernau, Gabriele Fernau, schrieb vor einem Jahr in der JF: "Ein Autor kann sich nicht besseres wünschen als einen Verleger, der außer seinem verlegerischen Können zusätzlich eine nur noch selten anzutreffende Qualität besitzt: Furchtlosigkeit, der nicht gleich vor dem erhobenen Zeigefinger der political correctness erstarrt, der nicht gleich zittert, wenn ein Literaturpapst indigniert die Braue hebt, der keine feuchten Hände bekommt, wenn der Zeitgeist wieder mal meint, empört sein zu müssen. Mein Mann, Joachim Fernau, der selbst ein mutiger Mann war, hatte das Glück, nach allerlei Enttäuschungen den mutigen Verleger zu finden, den er brauchte. In den mehr als zwanzig Jahren der Zusammenarbeit habe ich Dr. Fleissner bei all den Angriffen und Attacken, die ihm oder seinem Autor oder beiden galten, nie ängstlich erlebt."

Der Gegenwind, der Ihnen bis heute aus der Presse entgegenweht, hat Ihre Gesichtszüge straff gehalten. Was man Ihnen vorwerfen kann, ist allenfalls Ihre Bescheidenheit. Als ich Sie anrief und fragte, ob Sie den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis annehmen wollen, haben Sie gesagt: "Nehmen Sie einen anderen, bei mir wird man sagen, ‚Ach der Fleissner, der gehört doch sowieso zur JF‘!" Ich solle einen nehmen, der mehr Aufmerksamkeit verspricht, um den Gerhard-Löwenthal-Preis ins Gespräch zu bringen. (…)

Lieber Herr Dr. Fleissner, sie haben das große, breite verlegerische Fundament für die unabhängige, konservative Publizistik in Deutschland geschaffen. Im Namen aller Autoren, aber auch aller Leser sagen wir herzlichen Dank für Ihre großartige Arbeit!

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