BERLIN. Nach dem Rückzug des gescheiterten Kanzlerkandidaten Robert Habeck hat sich Annalena Baerbock ihre Zukunft bei den Grünen nach der Wahlniederlage offen gelassen. Bis gestern. Da kündigte sie an, nicht mehr in der ersten Reihe stehen zu wollen. Dabei hatte sie sich selbst für den Vorsitz der deutlich geschrumpften Bundestagsfraktion ins Gespräch gebracht.
In einem Brief, den sie in den Medien veröffentlichen ließ, schreibt die Außenministerin, sie habe „nach Jahren auf Highspeed ein paar Tage nachdenken wollen, was dieser Moment für meine Familie und mich bedeutet“. Baerbock hatte sich im November von ihrem Mann getrennt, lebt aber, wenn sie zuhause ist, mit ihm und den beiden Töchtern unter einem Dach.
Baerbock hatte zu wenig Unterstützung
Die Partei fühlt sich brüskiert, denn für eine neue Amtszeit als Außenministerin hätte die 44jährige nur allzu gern zur Verfügung gestanden, wie sie immer wieder betonte. Daß es nach dem äußerst knapp gescheiterten Einzug des BSW in den Bundestag auch ohne die Grünen für eine schwarz-rote Regierung reichte, soll für sie ein Schock gewesen sein. Wie die Bild berichtet, heißt es bei den Grünen, Baerbock, habe sich zu sehr auf „die große weite Welt“ fokussiert. Und sie selbst sei es gewesen, die überraschend Anspruch auf die Fraktionsführung erhoben habe.
Tatsache sei aber, daß sie dafür zu wenig Unterstützung bekommen habe. Ob die Abgeordneten sie tatsächlich zu ihrer Chefin gewählt hätte, sei demnach unklar gewesen. Vor allem der linke Parteiflügel lehnte sie ab.
Nun wird auch kolportiert, Baerbock habe ein internationales Spitzenamt angestrebt. Doch bisher ereilte die abgewählte Außenministerin kein entsprechender Ruf. Der Fraktionsvorsitz einer kleinen Partei im Bundestag gelte ihr wohl als zu unbedeutend. Ihr Bundestagsmandat, das sie, wie Habeck, über die Liste erreicht hatte, will sie aber annehmen. Sie betonte in ihrem Brief auch, das sei „kein Abschied“. Ein Hintertürchen für die nächste Spitzenkandidatur bleibt Baerbock damit offen. (fh)