tempelhof
Polizeieinsatz nach Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Tempelhof im November 2015 Foto: picture alliance/dpa
Berlin

„Demnächst passiert hier sicher ein Anschlag“

Bei dem Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz sind zwölf Menschen getötet und fast 50 verletzt worden. Alles deutet auf einen Terroranschlag hin. Am frühen Dienstag morgen hat das Berliner Spezialeinsatzkommando einen Hangar am ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof. Dort befindet sich die größte Flüchtlingsunterkunft in der Hauptstadt. Laut Generalbundesanwaltschaft hat die Razzia aber nichts mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt zu tun. Ein zuerst als Tatverdächtiger festgenommener Flüchtling aus Pakistan ist wohl doch nicht für den Anschlag verantwortlich.

Jedoch: Die JUNGE FREIHEIT hatte bereit Anfang des Jahres einen verdeckten Reporter in das Tempelhofer Flüchtlingsheim geschickt. Schon damals gab es deutliche Hinweise, daß sich potentielle Terroristen und IS-Sympathisanten unter den dortigen Flüchtlingen befinden. Wir dokumentieren einen Auszug aus der Reportage:

In Tempelhof lerne ich einen älteren Mann kennen, einen Hochschullehrer aus Syrien, der bereits mehrere Monate im Lager lebt. Er kenne es wie seine „eigene Westentasche“. Ich frage ihn, ob hier islamistische Gruppen aktiv seien. Er erzählt, Anhänger des IS und von Gruppierungen wie Dschabhat al-Nusra seien auch in anderen Berliner Unterkünften präsent. Mit ihm seien damals auch IS-Kämpfer geflohen. Auch die seien in Deutschland gelandet und hätten sich den Bart abrasiert. Sicher gebe es unter ihnen Schläfer, die auf ein Zeichen ihrer Gruppenführer reagierten. Er rät mir, bestimmte Containerboxen zu besuchen.

„Demnächst passiere hier sicher ein Anschlag“

Vor dem Lageso treffe ich einen syrischen Rollstuhlfahrer mit seinem Kumpel. Stundenlang hatten die beiden in eisiger Kälte gewartet. Ich lade sie zum Essen ein. Der Rollstuhlfahrer erzählt, woher seine Querschnittlähmung rühre. Er sei vom Assad-Regime in den Rücken geschossen worden. Das lasse ich mir von seinem Kumpel ins Englische übersetzen. Daß ich Arabisch verstehe, habe ich für mich behalten. Der Kumpel rüffelt seinen Freund: „Sag doch, daß es IS-Leute waren.“ Das will er nicht, offensichtlich aus Angst. Er meint an anderer Stelle, viele islamistische Kämpfer seien aus Syrien nach Deutschland gekommen. Demnächst passiere hier sicher ein Anschlag, weil Deutschland sich jetzt militärisch in Syrien einmische. Außer dem IS existierten  weitere Gruppierungen, deren Vertreter mit dem nächsten Schwung nach Deutschland kämen.

Später gehe ich in die Containerboxen, von denen mir der Hochschullehrer erzählt hatte. Ich gebe mich ahnungslos, stelle mich als Neuankömmling vor und bitte um Tips für den Asylantrag. Die Leute sind hilfsbereit. Nach ein paar Tagen beginne ich in ihrer Gegenwart, über die ungläubigen Deutschen zu lamentieren, worauf sie nach und nach anspringen. Manche zeigen mir auf ihren Smartphones Propagandavideos, die zum Heiligen Krieg aufrufen. Irgendwann sprechen mich welche an, ohne jedoch vom IS zu reden. Als Moslem sei es doch meine Pflicht, für die kämpfenden Brüder in Syrien etwas zu tun, zumindest Geld zu spenden.

Ideales Rekrutierungsfeld für Islamisten

Soziokulturell stammen die jungen Männer aus dem arabischen Prekariat. Letztlich verhalten sie sich nicht viel anders als ihre deutschen Altersgenossen. Ihnen schmeckt der Schnaps und der Joint. Ich unterlasse es, sie auf den Widerspruch zur eigenen Glaubenslehre hinzuweisen. In Tempelhof höre ich dieselben Verschwörungstheorien wie in anderen Unterkünften. Die Versorgung sei so schlecht, weil Deutschland Uno-Gelder zurückhalte. Ein Unsinn, der leicht bei Menschen verfängt, die nichts zu tun haben.

Im vergangenen Jahr zog es über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Die Gesellschaft sollte sich zumindest um jene intensiv kümmern, die sie behalten will. Die Lager, voll mit jungen Männern, die sich langweilen, dienen als ideales Rekrutierungsfeld für Islamisten und salafistische Wahrheitspächter, denen die Frustrierten leicht auf den Leim gehen.

Längst zündeln die Fanatiker in den Heimen, etwa über soziale Netzwerke oder WhatsApp. Ihr Mantra lautet, die Deutschen würden ihnen nur helfen, um ihre Kinder später fürs Christentum zu gewinnen. Den Neuankömmlingen ist eine Gesellschaft, in der die eigene Religion keine Rolle spielt, fremd. Die Behörden sollten dringend die Telefon- und Internetverbindungen von Flüchtlingen besser überwachen.

Menetekel für weit Schlimmeres

Krawalle und Schlägereien in Unterkünften sollten die Deutschen nicht nur als Ausdruck von Lagerkoller und schlechter Laune werten, sondern auch als Menetekel für weit Schlimmeres. Die Gründe, einander ans Leder zu gehen, sind gänzlich irrational. Ein Beispiel: Syrische Flüchtlinge werfen ihren irakischen Flurnachbarn vor, daß der IS-Chef Ibrahim al-Badri aus dem irakischen Samarra stamme. Der Irak trage deshalb am Krieg in Syrien die Schuld. Klingt irre, ist es auch. Die Träger der Heime verbieten ihren Angestellten, solche Vorfälle nach außen zu tragen.

> Teil I der Reportage

> Teil II der Reportage

Polizeieinsatz nach Massenschlägerei in Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Tempelhof im November 2015 Foto: picture alliance/dpa

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag