„Fluter“

Bundeszentrale würdigt Mohammed als Frauenrechtler

BERLIN. Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) hat Kritik am Frauenbild des Islam als Vorurteile und „schwarz-Weiß-Bild“ zurückgewiesen. „Plötzlich leben wir in einem Land, in dem man sich ständig Sorgen um die Sicherheit und Würde von Frauen macht“, schreibt Autorin Khola Maryam Hübsch in der BpB-Zeitschrift Fluter.

Dies liege aber nicht daran, daß in Deutschland jede dritte Frau bereits sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt habe. Auch nicht am häufig sexistischen und frauenverachtenden Rollenbild, das in der Popkultur und in der Werbung verbreitet werde. „Es geht darum, daß die deutsche Frau vom muslimischen Mann bedroht wird. Obwohl es bislang keine Belege dafür gibt, daß es zu einer Zunahme sexueller Belästigungen durch Flüchtlinge
gekommen ist.“

Mohammed kämpfte gegen Unterdrückung der Frau

Dennoch sei das Vorurteil, daß der moslemische Mann seine Triebe nicht beherrschen könne, immer noch weit verbreitet. Um dem entgegenzuwirken, bemüht sich die Autorin, über den Islam aufzuklären. „Mohammed, der Prophet des Islam“, schreibt sie, „versuchte trotz heftigen Widerstands, die Unterdrückung der Frau zu bekämpfen.“

So habe der Prophet gesagt: „Die Besten unter euch werden die sein, die am besten zu ihren Frauen sind.“ Auch sei Mohammeds erste Frau Khadija eine „emanzipierte, erfolgreiche Kauffrau“ gewesen. Mohammed habe auf die Bildung von Frauen viel Wert gelegt. Allerdings gebe es auch frauenfeindliche Überlieferungen, die dem Propheten zugeschrieben werden.

Dennoch: „Daß es weltweit muslimische Feministinnen gibt, die sich gegen die Vereinnahmung des Islam durch eine frauen-feindliche Orthodoxie wehren, ist oft ebenso wenig bekannt wie die Tatsache, daß alle drei muslimischen Frauen, die in den letzten Jahren den Friedensnobelpreis bekommen haben, dafür plädieren, die Lehre des Islam als Mittel gegen patriarchale Strukturen einzusetzen.“

„Rechtspopulistische Aktivisten“

Die Behauptung vom „triebgesteuerten muslimischen Mann“ werde jedoch gebraucht, um den westlichen Mann „trotz durchsexualisierter Massenkultur als besonders zivilisiert und aufgeklärt darstellen zu können“. Deswegen sollte man genau hinschauen, wer derzeit in Deutschland für die Rechte von Frauen kämpfe, warnt die Autorin.

„Stutzig machen sollte auch die Tatsache, daß sich im aktuellen Diskurs über Flüchtlinge nun ausgerechnet diejenigen den Kampf gegen das Patriarchat auf die Fahnen schreiben, die bisher eher mit antifeministischen Positionen aufgefallen sind.“ Darunter seien auch „rechtspopulistische Aktivisten“, die Frauen sonst an den Herd wünschten. (krk)


Frauen mit Burka Archivfoto: picture alliance/dpa

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