Tatort des Angriffes Foto: dpa
Oberbürgermeisterwahlkampf in Köln

Attentat auf OB-Kandidatin offenbar politisch motiviert

KÖLN. Der Messerangriff auf die parteilose Bürgermeisterkandidatin Henriette Reker in Köln hat offenbar einen politisch motivierten Hintergrund. Das legen die Äußerungen des Täters im Zusammenhang mit der Tat nahe. Nach Informationen von Spiegel-Online soll der Täter, der arbeitslose Frank S., zu Beginn der neunziger Jahre mit der später verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei Kontakte gepflegt haben. Der aus Bonn stammende S. soll 1993 und 1994 an Gedenkmärschen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß teilgenommen haben. Gegenüber den Sicherheitsbehörden sei der Mann bisher jedoch nicht auffällig geworden. „Wir haben keine Erkenntnisse zu seiner Person“, sagte der Chef der Kölner Kriminalpolizei Norbert Wagner.

Am Samstagmorgen kurz nach 9 Uhr hatte der 44 Jahre alte S. auf dem Wochenmarkt in Köln-Braunsfeld an einem Wahlkampfstand der CDU mit einem Bowie-Messer auf Frau Reker eingestochen und sie erheblich am Hals verletzt. Zuvor soll er Augenzeugen zufolge die Politikerin um eine Rose gebeten haben. Eine andere Frau wurde von S. ebenfalls schwer verletzt, drei weitere Personen wurden leichter verwundet. Am Vormittag war in Radiomeldungen zunächst von einem „machetenartigen Langmesser“ die Rede.

De Maizière sieht Beleg für „Radikalisierung der Flüchtlingsdebatte“

Der Täter soll, bevor er die 58jährige, aus Köln gebürtige Oberbürgermeisterkandidatin attackierte, gerufen haben: „Ich tue es für eure Kinder.“ Während er auf die Umstehenden einstach, soll er gemäß Zeugen geschrien haben: „Ich rette den Messias. Das ist alles falsch, was hier gemacht wird. Ich befreie euch von solchen Leuten.“ Nach der Tat sei er ganz ruhig gewesen und habe sich widerstandslos von einem zufällig anwesenden Bundespolizisten festnehmen lassen. Wie Spiegel-Online weiter berichtete, soll der allein lebende S. im Verhör etwa geäußert haben, daß die Ausländer den Deutschen die Arbeitsplätze wegnähmen.

Henriette Reker war nach dem Messeranschlag ansprechbar. Durch eine Notoperation konnte die Lebensgefahr abgewandt werden, ihr Zustand sei stabil, teilten Ärzte der Universitätsklinik Köln mit. Ungeachtet der Bluttat wird die Oberbürgermeisterwahl am heutigen Sonntag durchgeführt, da es für eine Verschiebung keine Gesetzesgrundlage gebe, wie eine Sprecherin der Stadt sagte. Frau Reker wird von einer „Regenbogenkoalition“ aus Grünen, Unionspolitikern und Liberalen unterstützt. Die Sozialdezernentin ist auch für die Unterbringung von Asylbewerbern und Einwanderern zuständig.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière nannte in einer ersten Reaktion am Samstag die Messerattacke einen „weiteren Beleg für die zunehmende Radikalisierung der Flüchtlingsdebatte“. „Seit langem“ sei er „besorgt über die haßerfüllte Sprache und gewalttätigen Aktionen“.

Politiker aller Parteien verurteilten die Tat scharf. AfD-Chef Jörg Meuthen forderte angesichts jeder Form politischer Radikalisierung den „entschlossenen Schulterschluß aller Demokraten“ über „politische Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze hinweg“. „Tief verabscheuungswürdige und durch nichts zu rechtfertigende Taten wie diese dürfen in unserer Gesellschaft absolut keinen Platz haben.“ Seine Partei wünsche der Geschädigten eine baldige und vollständige Genesung. (ru)

Tatort des Angriffes Foto: dpa

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