Österreich: Islamist klärt über „Feindbild Islam“ auf

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Europaweit aktiv: Demonstration der Hizb ut-Tahrir 2006 in Kopenhagen. Foto: Wikipedia

WIEN. Für starke Irritationen hat eine Veranstaltung der Wiener Volksbildung gesorgt, die unter dem Motto „Feindbild Islam“ in Wien stattfand. Denn wie Wiener Zeitung und Die Presse berichteten, hatte die SPÖ-nahe Einrichtung zu der Veranstaltung Mitte des Monats Shaker Assem als Redner geladen.

Der in Kairo geborene Assem ist Sprecher der in Deutschland verbotenen Partei Hizb-ut-Tharir, die sich für die Einrichtung eines Kalifats einsetzt. Assam zeigte sich entsprechend überzeugt vom Gottesstaat als zukünftiger Gesellschaftsform: „Das Kalifat wird entstehen! Definitiv!“, sagte er den rund zweihundert Zuhörern, darunter viele interessierte Studenten, die sich nach Geschlechtern getrennt setzen mußten.

„Der Mensch ist nicht in der Lage, das optimale System für eine Gesellschaft zu kreieren“, argumentierte Assam. Daher könne nur die islamische Offenbarung Grundlage für eine Gemeinschaft darstellen. Eine Gemeinschaft mit einem drakonischen Rechtssystem, wie Assam zugab. So sei Steinigung „ein Gebot, das im Islam vorhanden ist“, jedoch eigentlich nur selten angewendet wird. Auch seien viele Steinigungen „aus freiem Willen erfolgt“, weil der Sünder dadurch bereits im Diesseits sühnen könne.

Mohammed ist ein Islamist

Allerdings sind die islamischen Rechtsvorschriften nur auf die Grenzen des zu errichtenden Kalifats beschränkt. „Muslime mit österreichischer Staatsbürgerschaft müssen die Pflichten gegenüber der Republik und der Mehrheitsbevölkerung halten. Niemand will ein Kalifat in Österreich.“ Statt dessen sieht Assam die Keimzelle des zukünftigen Gottesstaates in einem muslimischen Land: „Die Türkei, Saudi-Arabien und alle anderen islamischen Länder repräsentieren nicht den Islam.“

Statt dessen solle jeder gläubige Muslim in diesen Ländern das Kalifat anstreben. Entsprechend lehnte Assem auch die „westliche“ Unterscheidung von Islam und Islamismus ab: „Im Islam bestand schon immer die Vernetzung von Religion, Gesellschaft und Politik. Demnach wären Mohammed und seine Gefährten Islamisten gewesen.“

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