Grüne protestieren gegen christlichen Jugendkongreß

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Volker Beck: Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen Bundestagsfraktion. Foto: Bundestag

BERLIN. Die Kontroverse um ein abgesagtes Seminar zur Homosexualität beim christlichen Jugendkongreß „Christival“ wird schärfer. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hatte Anfang Januar gegen das Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ protestiert, das daraufhin aus dem Programm des Kongresses genommen wurde, der vom 30. April bis 4. Mai in Bremen stattfindet.

Die Veranstalter wollten verhindern, daß sich die Debatte um dieses Thema weiter hochschaukelt und von anderen wichtigen Themen des Treffens ablenkt. Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte zusätzlich noch eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, weil nach ihrer Einschätzung zunehmend „christlich-fundamentalistische Gruppen“ versuchten, „Lesben und Schwule mit pseudowissenschaftlichen ‚Therapien’ von ihrer Homosexualität zu ‚heilen’“.

Rückendeckung erhielt Beck vom bayerischen Landesbischof Johannes Friedrich (München), der dem Christival-Kuratorium angehört. Wie der „Lesben- und Schwulenverband Deutschland“ auf seiner Internetseite berichtet, habe Friedrich in einem Schreiben an Beck versichert, „daß er dessen Kritik an dem abgesagten Seminar voll und ganz teilt“. Die Pressestelle des Landeskirchenamtes bestätigte die Existenz des Briefs. „Es handelt sich um einen privaten Brief, deshalb nimmt die Landeskirche dazu keine Stellung“, hieß es auf idea-Anfrage.

CVJM kritisiert Grüne: Christliche Gruppen beschimpft

Hingegen stellte sich der rund 260.000 Mitglieder zählende Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) in Deutschland hinter den Jugendkongreß Christival. Er bedauert die öffentliche Debatte, die von den Grünen angestoßen worden sei.

Im Namen des Gesamtvorstands protestierten Präses Karl-Heinz Stengel und Generalsekretär Wolfgang Neuser gegen die Kritik: „Anstelle einer sachlichen Auseinandersetzung werden engagierte christliche Gruppen beschimpft und diffamiert.“ Man vermisse „Respekt gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden, deren Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit in gleicher Weise durch das Grundgesetz geschützt ist wie die der Kritiker“.

Andere prominente Christival-Kuratoriumsmitglieder aus Kirche und Gesellschaft äußerten sich bislang nicht öffentlich zu der Auseinandersetzung. Bitten von idea um Kommentierung blieben unbeantwortet.

Beck vergleicht Evangelikale mit NPD

Unterdessen vergleicht Beck auf der Internetseite abgeordnetenwatch.de evangelikale Therapie- und Heilungsangebote indirekt mit der NPD: „Die NPD greift die Menschenwürde von Migranten und Flüchtlingen, von Juden, Homosexuellen und Behinderten an.“

Weiter schreibt er: „Die Homoheilungsprediger greifen die Würde aller Lesben und Schwulen an, indem sie Homosexualität pathologisieren und mit Verdrehungen und Unwahrheiten schwule und lesbische Bürger herabsetzen und diffamieren.“ Zugleich bezichtigt er die Deutsche Evangelische Allianz der Lüge.

Sie hatte Beck vorgehalten, er wende sich „gegen die an der Bibel orientierte ethische Ausrichtung des Kongresses“. Solche Kritik gebe es von ihm nicht, so Beck, der nach eigenen Angaben in einer schwulen Lebensgemeinschaft lebt: „Eine an der Bibel orientierte ethische Ausrichtung nehme ich auch für mich in Anspruch.“

Beck zitiert ferner den Professor für Klinische Psychologie an der Universität Basel, Udo Rauchfleisch, mit den Worten: „Häufig wird die Änderung im Sexualverhalten mit schweren Depressionen, zentralen Selbstwertproblemen und tiefer Verzweiflung erkauft und kann zum Suizid des betreffenden Menschen führen.“ Beck bezweifelt, daß alle bibeltreuen Christen sich von seiner Kritik verunglimpft fühlten. Er erhalte auch Zuspruch von Christen: „Christ sein und homosexuell – das ist kein Widerspruch.“ (Idea/JF)

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