Englischer Bischof: Islamisten schaffen „Tabu-Zonen“

LONDON. Mit seiner Kritik an den Folgen von „Multi-Kulti“ hat ein englischer Bischof scharfe Reaktionen ausgelöst. Ein führender Vertreter der Muslime fordert den Rücktritt des anglikanischen Bischofs von Rochester, Michael Nazir-Ali. Der gebürtige Pakistani hatte in der Zeitung Sunday Telegraph unter anderem davor gewarnt, daß sich überwiegend von Muslimen bewohnte Stadtviertel zu „Tabu-Zonen“ für Bürger anderen Glaubens entwickeln.

Diese hätten Schwierigkeiten, dort zu arbeiten und zu leben, weil man ihnen feindlich begegne. Es gebe Versuche, den islamischen Charakter solcher Viertel etwa durch den mit Lautsprechern verstärkten islamischen Gebetsruf zu unterstreichen.

Nazir-Ali macht dafür den Verlust der christlichen Identität Großbritanniens verantwortlich, der durch eine multikulturelle Haltung und durch den Säkularismus vorangetrieben werde. Man habe es den Einwanderern erleichtert, in abgegrenzten Gemeinschaften zu leben, nur ihre eigenen Sprachen zu sprechen und ohne Beziehungen zur Bevölkerungsmehrheit zu existieren.

Das Christentum als öffentlicher Glaube sei in Großbritannien auf dem Rückzug. Der „Mischmasch“ der Religionen führe zum Verlust jener Grundlagen, die Britannien groß gemacht hätten. Dazu gehöre die biblische Lehre, daß allen Menschen gleiche Würde und Freiheit zustehe, weil sie als Ebenbilder Gottes geschaffen seien.

Muslim-Rat kritisiert „Panikmache“

Führende Repräsentanten der Muslime in Großbritannien reagierten verärgert auf die Ausführungen des Bischofs. Mohammed Shafiq von der Ramadan-Stiftung forderte den Rücktritt des Kirchenmanns, weil er Haß gegen Muslime fördere.

Ajmal Masroor von der Islamischen Gesellschaft bezeichnete die Äußerungen als Verzerrung der Realität. In Wahrheit seien die muslimischen Gemeinschaften heute viel stärker integriert als noch vor zehn Jahren. Ibrahim Mogra, Sprecher des Muslimischen Rats, der jeglichen Terrorismus verurteilt, nannte die Bemerkungen des Bischofs „alarmierend“.

Nazir-Ali müsse Beweise für seine Behauptung liefern, Muslime richteten Tabu-Zonen ein, sagte er der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI. Sonst seien seine Worte nichts als „Panikmache“. Nazir-Ali erhielt aber auch Unterstützung von einem Bischofskollegen. Der Bischof von Blackburn, Nicholas Reade, erklärte, in nordenglischen Städten wie Blackburn und Burnley, wo 95 Prozent der asiatischen Einwohner Muslime seien, sei das Leben für Christen schwierig geworden.

Muslimische Geistliche schlecht ausgebildet

Bemühungen, den Einfluß des Extremismus in den 1.350 britischen Moscheen einzudämmen, werden der Tageszeitung The Times zufolge durch die mangelhafte Ausbildung islamischer Geistlicher untergraben.

Nach Angaben von Musharraf Hussain, Regierungsberater in Sachen Moscheen, seien die Absolventen vieler islamischer Seminare in Großbritannien zu schlecht ausgebildet, um der Entfremdung zu begegnen, die einige Muslime offen für gewalttätigen Extremismus mache. Absolventen hätten unzureichende Kommunikations- und Führungsqualitäten.

Ihnen mangele es zudem an einem guten Verständnis britischer Kultur. Eine Untersuchung an 300 Moscheen habe ergeben, daß nur 30 Prozent der Ansprachen beim Freitagsgeben auf Englisch gehalten würden. Etwa 2,8 Prozent der 60 Millionen Einwohner Großbritanniens sind Muslime. Meist stammen sie von Einwanderern aus asiatischen Ländern des Commonwealth ab, etwa aus Pakistan oder Bangladesch. (idea/JF)

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