Polizeieinsatz in Turin
Polizeieinsatz in Turin Foto: picture alliance/ZUMA Press
Demonstrationen in mehreren Städten

Italien: Tausende protestieren teils gewalttätig gegen Corona-Maßnahmen

ROM. Tausende Italiener haben am Montag abend teils gewalttätig gegen die neuen Corona-Maßnahmen der Regierung in Rom protestiert. Schwerpunkte der Proteste waren Neapel, Palermo, Turin, Rom und Mailand. Die Kundgebungen waren nicht angemeldet, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. In Mailand warfen demnach Demonstranten Molotov-Cocktails und Rauchbomben auf Polizisten. In anderen Städten sollen sie zudem Flaschen und Steine auf Sicherheitskräfte geworfen und in Rom und Turin Geschäfte geplündert haben.

Die Polizei ging mit einem Großaufgebot gegen die Randalierer vor. Sie setzte dem Bericht zufolge auch Tränengas und Wasserwerfer ein. Wenige Tage zuvor war es bereits in Neapel zu gewalttätigen Ausschreitungen von zum Teil rechten Gruppen gekommen. Dabei waren mehrere Polizisten verletzt worden.

Die Proteste richten sich vor allem gegen neue Anti-Corona-Verordnungen. Die seit Montag geltenden Maßnahmen sehen vor, daß Restaurants und Bars um 18 Uhr schließen müssen. Auch Theater, Kinos, Fitneßstudios, Schwimmbäder und Skiressorts dürfen vorerst nicht mehr öffnen. Oberschüler sollen größtenteils per Fernunterricht beschult werden. Außerdem gibt es nächtliche Ausgangsbeschränkungen.

Die Maßnahmen gelten italienweit mit Ausnahme der Provinz Südtirol. Die Sonderautonomie erließ weniger harte Maßnahmen. So dürfen dort Restaurants bis 22 Uhr geöffnet bleiben, allerdings dürfen Speisen und Getränke ab 18 Uhr nur auf zugewiesenen Plätzen serviert werden.

In Italien registrierten die Behörden seit Beginn der Corona-Krise rund 540.000 infizierte Personen. Etwa 37.000 von ihnen starben mit oder an dem Virus. Das Land hat rund 60 Millionen Einwohner.

Österreichs Kanzler Kurz stellt schärfere Maßnahmen in Aussicht

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat unterdessen härtere Anti-Corona-Maßnahmen angekündigt, sollten die Infektionsrate weiter zunehmen. „Je höher die Ansteckungszahlen sind, desto restriktivere Maßnahmen braucht es“, sagte Kurz dem Sender oe24.tv. Oberstes Ziel seiner Regierung sei es, eine Überlastung der Intensivmdedizin zu verhindern.

„Wenn das Wachstum weiter so rasant ist, stoßen wir an die Grenzen der Belastbarkeit der Intensivmedizin. Das müssen wir verhindern.“ Er schloß auch einen zweiten Lockdown nicht aus. Dies sei aber die „Ultima-Maßnahme“. Österreich zählt bislang rund 83.000 Infizierte und beklagte etwa 1.000 Todesfälle. (ls)

Polizeieinsatz in Turin Foto: picture alliance/ZUMA Press

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