Deutsch in Oberschlesien

Gemäß der polnischen Bildungsverordnung von 2007 haben die Kinder der Minderheiten-Volksgruppen Anspruch auf Schulunterricht in der Muttersprache. So auch die Deutschen, die vorwiegend noch in Oberschlesien siedeln. Der Rechtsanspruch ist in der Praxis jedoch schwer umzusetzen, und um nicht im Nichtstun zu verharren, ist in Oppeln bei der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen das Pilotprojekt der Samstagsschulen angestoßen worden. In zunächst zwölf Ortschaften der Wojewodschaft Oppeln (Opole) wird es außerhalb der Schulzeit an Samstagen Unterricht in deutscher Sprache geben.

Während des ersten halben Jahres soll es an zehn Tagen jeweils drei Unterrichtsstunden geben, wie die Kulturreferentin der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, Zuzanna Donath-Kasiura, der JF erläuterte. Bei dem Projekt Samstagsschulen handle es sich um Ergänzungsunterricht, bei dem die Kinder der deutschen Minderheit spielerisch ihre Muttersprache lernen und die deutsche Kultur aufrechterhalten könnten. Erst einmal ist Platz für 15 Grundschüler je Gruppe – das Projekt läuft in der Testphase, die Kosten trägt das Deutsche Generalkonsulat in Breslau.

Die Lehrer sind Angehörige der deutschen Volksgruppe. „Wir haben nur solche genommen, die ein Herz für die deutsche Minderheit haben“, so die Kulturreferentin, „solche, die sich mit der deutschen Identität verbunden fühlen“. Das Curriculum sieht neben dem Sprachunterricht vor, deutsche Traditionen, Brauchtum, Feste und Gestalten der deutschen Geschichte bekanntzumachen. So werden neben der spielerisch-anschaulichen Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse beispielsweise auch Gebete und das Kreuzzeichen auf deutsch gelehrt. „Die Samstagsschule ist mehr als nur Sprache. Es geht darum, Elemente der Identität, Tradition und Geschichte kennenzulernen“, so eine Lehrerin, die in Guttentag (Dobrodzień) unterrichtet.

Kritik an dem Projekt kam von der Agmo (www.agmo.de), einem Verein, der sich seit vielen Jahren um die Belange der Deutschen in den Oder-Neiße-Gebieten kümmert. „Wir befürchten ein Abrücken vom Ziel flächendeckender deutscher Kindergärten und Grundschulen für die deutsche Minderheit“, so Martin Stender. Außerdem sei die Schulbildung hoheitliche Aufgabe des polnischen Staates und daher auch von diesem zu finanzieren.

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