Schulbildung mangelhaft

Ausländer sind nach Ansicht der Bundesregierung auch weiterhin stark benachteiligt. Das ist jedenfalls die Kernaussage des 7. Berichts über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, den die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer (CDU), kurz vor Weihnachten vorgelegt hat (siehe auch den Kommentar auf Seite 2). Schwerpunkte sind die Themen Bildung, berufliche Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt. In dem Bericht wurden erstmals fast alle Ausländer erfaßt, auch die in Deutschland Geborenen, deren Vater oder Mutter aber zugewandert sind. Danach kommen 15 Millionen Bürger aus Einwandererfamilien.

Dem Bericht zufolge brechen knapp 18 Prozent der Kinder aus Einwandererfamilien die Schule vorzeitig ab. Während 53 Prozent der deutschen Schüler eine Berufsausbildung absolvieren, sind es bei den Ausländerkindern lediglich 23 Prozent. Sehr hoch ist bei den in Deutschland lebenden Ausländern auch der Anteil ohne Berufsabschluß. Führend sind hierbei die Türken mit 72 Prozent, gefolgt von den Griechen mit 61 Prozent und Italienern mit 56 Prozent. Dagegen haben nur 12 Prozent der Deutschen keine abgeschlossene Berufsausbildung. Nicht zuletzt deswegen kommen Ausländer im Mittel nur auf 79 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens.

Nach Angaben Böhmers gibt es lediglich eine positive Ausnahme: nämlich bei den Selbständigen. So liege die Selbständigenquote bei den Ausländern mit derzeit zwölf Prozent fast doppelt so hoch wie Anfang der neunziger Jahre und sogar höher als bei deutschen Selbständigen. Insgesamt gibt es dem Ausländerbericht zufolge 582.000 Unternehmer ausländischer Herkunft, die rund zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen hätten.

Böhmer wies darauf hin, daß es bereits Pläne gebe, diese schlechte Bilanz für Ausländer in Zukunft zu verbessern. So habe die Bundesregierung in der Integrationspolitik umgesteuert: Man rede nicht mehr übereinander, sondern miteinander. Die Staatsministerin verwies dabei auf den Nationalen Integrationsplan, in dem eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt worden sei, etwa die frühe Sprachförderung in Kindergärten und Schulen, die verbesserte Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, das bundesweite Netzwerk für Bildungspaten sowie die verstärkte Arbeit mit Eltern ausländischer Herkunft und der erleichterte Zugang für ausländische Jugendliche zum Bafög. Diese Maßnahmen seien auch notwendig, um der "teilweise dramatischen Situation und alarmierenden Lage" Herr zu werden.

Kritik von der Türkischen Gemeinde

Kritiker verwiesen darauf, daß viele wichtige Ausländerorganisationen bereits ihre Mitarbeit an dem Nationalen Integrationsplan verweigert hätten. Auch liege das Problem ganz woanders. Denn anderen Untersuchungen zufolge seien die Schulleistungen vor allem der Ausländerkinder der zweiten Generation, die bereits in Deutschland geboren wurden, deutlich schlechter als die der Ausländerkinder der ersten Generation. Vor allem dieses Problem müsse angepackt werden.

Nach Ansicht der SPD-Politikerin Lale Akgün komme man "mit den Projekten, Gipfeln und Initiativen nicht mehr weiter". Vielmehr müsse man in Politik und Gesellschaft "ernsthaft umdenken". So dürfe man nicht mehr weiter ständig von Integration und "Menschen mit Migrationshintergrund" sprechen, sondern von "deutschen Kindern aus sozial benachteiligten Familien". Allerdings müßten dann auch Zuwanderer "endlich kapieren, daß sie Bürger dieses Landes sind, mit allem, was dazugehört". Auch habe Deutschland weniger ein Integrations-, sondern vielmehr ein Bildungsproblem.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sieht das Problem der schlechten Lage bei den Ausländern vor allem in der "Diskriminierung von Migranten auf dem Arbeitsmarkt". Gleichzeitig forderte er eine "flächendeckende Förderung von Elterninitiativen".


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