„Kein Neuheidentum“

Das konservative Institut für Staatspolitik (IfS) hat den Vorwurf zurückgewiesen, es stehe in Verbindung zu „neuheidnischen Strömungen“. Hintergrund ist die Ausladung des mit dem Institut verbundenen Historikers Karlheinz Weißmann durch die Nachwuchsorganisation des Studienzentrums Weikersheim (JF 31-32/06). Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT hatte das zuständige Vorstandsmitglied von Jung-Weikersheim, Daniel Krieger, die Ausladung Weißmanns, der im September auf einem Seminar der Organisation über die Konservative Revolution sprechen sollte, mit der Nähe des Instituts für Staatspolitik zu „neuheidnischen Strömungen“ begründet. IfS-Leiter Götz Kubitschek bezeichnete den Vorwurf Kriegers als unverständlich. „Ich glaube, die Vorwürfe Kriegers beziehen sich auf eine Diskussion über Heiden- und Christentum im Internetforum unseres Instituts ( www.staatspolitik.org )“, sagte er der JF. Daraus könne aber nicht auf die Ausrichtung des Institutes geschlossen werden. Nicht nur mit Blick auf das IfS, sondern auch auf Weißmann könne er den Vorwurf des Neuheidentums nicht nachvollziehen. „Karlheinz Weißmann – gläubiger Kirchgänger und Religionslehrer – ist der katholischste Protestant, den ich kenne“, sagte Kubitschek, der die Ausladung des Historikers durch Jung-Weikersheim nicht als Tragödie ansieht, sich aber gewünscht hätte, daß Weikersheim die Sache „offener und klarer“ behandelt hätte, statt zunächst formale Gründe vorzuschieben. Die tatsächlichen Gründe für die Ausladung sieht Kubitschek in inhaltlichen Differenzen zwischen den beiden konservativen Bildungseinrichtungen. „Weikersheim sollte nichts kaschieren. Weißmann ist ihnen zu heiß, zu ungemütlich, zu angriffslustig, zu unversöhnlich, das war’s“, sagte Kubitschek. Das IfS arbeite dafür, daß rechtsintellektuelles Denken als völlig normaler Beitrag zum Meinungsspektrum zähle. Im Extremfall bedeutete dies, daß man die Tuchfühlung zu irgendeiner bürgerlich-konservativen Mitte verliere, weil man seinen Standpunkt nicht aufgibt und sich unter den Schlägen des politischen Gegners nicht wegducke. „Wir betonen geistige Unabhängigkeit, Widerborstigkeit, Unangreifbarkeit durch bessere Ausbildung und genauere Kenntnisse. Wir lehren letztlich auch die notwendige Unversöhnlichkeit mit den Verhältnissen, eine Haltung, die Weikersheim uns vorwirft, weil sie destruktiv sei. Wir würden sagen, daß der Beschwichtigungs-Konservatismus der Weikersheimer recht schläfrig macht.“

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