Joachim Kuhs

 

Der ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, Konrad Kruis, übt heftige Kritik am Wahlkampfkurs der CDU/CSU: „Die Union redet den Leuten nach dem Mund“

"Die Union macht den Fehler, dem Erfolg und nicht den Fragen nach bestimmten Grundwerten, den Vorrang zu geben. Sie redet den Leuten in gewisser Weise nach dem Mund" kritisiert der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Konrad Kruis, den Wahlkampfkurs der CDU/CSU. In einem Interview mit der am Freitag in Berlin erscheinenden Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT beklagt das ehemalige CSU-Mitglied insbesondere die Vernachlässigung konservativer Werte: So hätten alle Parteien "die Pflege der Nation vernachlässigt", von der Union aber hätte man "eine besondere Pflege dieses Wertes erwarten können". Für fatal hält Kruis dieses Versäumnis vor allem, weil "das Abschleifen nationaler Traditionen bei uns … die Zukunftsfähigkeit Deutschlands erheblich beeinträchtigt". Außerdem habe die Union "den ideologischen Ansatz des rot-grünen Gesellschaftsumbaus (Staatsbürgerschaftsrecht, Homo-Ehe, etc.) … nicht in ausreichendem Maße erkannt".

Große Hoffnungen setzt der Jurist allerdings in die Berufung seines ehemaligen Richterkollegen Paul Kirchhof ins Kompetenzteam der Union. Von einer Lichtung der "Besteuerungswirrnis" erhofft er sich ein Ende des moralischen "Ausfaulungsprozeß" durch Steuerungerechtigkeiten in Deutschland, "der unsere Grundwerte in Frage stellt"

Konrad Kruis war von 1987 bis 1998 Mitglied des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichts.

V.i.S.d.P.: Thorsten Thaler, Chef vom Dienst, Hohenzollerndamm 27a, 10713 Berlin

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