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Bäumchen wechsel dich

Einige Bürger der mittelschwäbischen Gemeinde Thannhausen dachten, sie sahen nicht richtig. Denn dort, wo seit zwei Jahren ein heftiger Streit um den Bau einer Moschee wütet, steht der „Islamische Kulturverein“ in besonderem Interesse der Thannhausener Bevölkerung (JF 06/04). Und die wunderte sich nicht schlecht, als auf dem großen Türschild des Vereins plötzlich der Name Ditib stand. Denn bislang galt der Verein als der islamistischen Vereinigung Milli Görrüs (IGMG) nahestehend, was sogar der bayerische Verfassungsschutz auf Anfrage des Bürgermeisters Johannes Schropp (CSU) schriftlich bestätigte. Was hat es mit der plötzlichen Umfirmierung auf sich? Ditib oder „Diyanet Isleri Türk-Islam Birligi“ (Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion) ist eine quasi halbstaatliche, dem türkischen Präsidium für Religionsangelegenheiten unterstellte Vereinigung. Dieses Präsidium untersteht wiederum direkt dem türkischen Ministerpräsidenten. Dem Präsidium obliegt im laizistischen türkischen Staat die Verwaltung aller Angelegenheiten der islamischen Religion und ihrer Ausübung sowie ausdrücklich die religiöse Betreuung der Auslandstürken. Bislang galt die Ditib daher als „verläßlich“ und „gemäßigt“ – da dem laizistischen Prinzip verpflichtet, äußerte sie sich nicht zu politischen Fragen in Deutschland. Seit 2002, als die Islamisten in der Türkei die Wahlen gewannen, steht Ditib direkt unter deren Einfluß. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der über die Religionsbehörde nun verfügt, sorgte 1995 mit einer Rede für Aufsehen, in der er den türkischen Dichter Ziya Gökalp zitierte: „Die Moscheen sind unsere Garnisonen / die Kuppeln unsere Helme / die Minarette unsere Bajonette und die Gläubigen unsere Soldaten.“ In Thannhausen führte der offensichtliche Dachverbandswechsel des Islamischen Vereins zu Irritationen. Eines der Hauptargumente gegen den Moscheebau war der fundamentalistische Hintergrund des Vereins. Und tatsächlich: Das türkische Konsulat bestätigte die Ditib-Mitgliedschaft. Seit dem 13. Februar bereits werde den Thannhausener Islamisten ein eigener Imam von der Ditib gestellt, so deren Vorsitzender Mehmet Eken. Nur der Bürgermeister sieht den Wechsel positiv Für den Vorsitzenden des „Thannhausener Bürgerforums“, Wolfgang Schrauth, ist klar, daß sich „der Verein deshalb noch lange nicht geändert hat“. Das Bürgerforum ist eine Bürgerinitiative, die sich gegen den Moscheebau ausspricht und sich für einen angemessenen Gebetsraum in Thannhausen einsetzt. Daher unterstützte das Bürgerforum den türkischen Verein „Bosporus“, wegen dessen gemäßigter und laizistischer Haltung. Einzig und allein Bürgermeister Schropp sieht den Wechsel positiv, er sein ein „Schritt in die richtige Richtung“. Der örtliche SPD-Politiker Georg Schuster sieht hingegen keine Entwarnung: „Ich höre immer wieder Aussagen von anderen türkischen Mitbürgern, die erzählen, daß bei den Predigten im Verein sehr stark politisiert wird“, zitieren ihn die Mittelschwäbischen Nachrichten. Bürgerforums-Chef Schrauth, der auch Vorsitzender des „Bundesverbandes der Bürgerbewegungen zur Bewahrung von Demokratie, Heimat und Menschenrechten“ (BDB), einem Dachverband von islamkritischen Bürgerinitiativen in Deutschland, ist, findet die „unkomplizierte Aufnahme“ des Islamischen Vereins „alarmierend“. Für ihn ist klar, daß sich die Thannhausener Islamisten nur mit dem „Gütesiegel des Harmlosen“ schmücken wollten. Einen Trennungsstrich gibt es schon lange nicht mehr Schon lange hingegen warnt Willi Schwend, der Vorsitzende einer Bürgerinitiative im baden-württembergischen Werheim vor den Ditib-Vereinigungen (JF 22/03). Einen scharfen Trennungsstrich zwischen der halbstaatlichen Ditib und den politisierten islamistischen Vereinigungen wie beispielsweise der IGMG gebe es „schon lange nicht“. Belege gebe es genug, „da hätte man nicht erst auf den reibungslosen Vereinswechsel der Thannhausener Muslime warten müssen“, so Schwend. Der Unternehmer weiß, wovon er spricht. Er setzt sich seit Jahren mit dem örtlichen Wertheimer Ditib-Verein auseinander, der ebenfalls eine Moschee errichten möchte. „Bei uns wurde es schon allein daraus ersichtlich, daß der Vorstand unseres Islamischen Vereins das Geld bei der Kombassan Holding anlegte“. Bei Kombassan handelt es sich, so ist in Udo Ulfkottes Enthüllungsbuch „Der Krieg in unseren Städten“ nachzulesen, um eine Unternehmens-Holding, die dem Einflußbereich der IGMG und deren undurchsichtigem Finanznetzwerk zugerechnet wird. Für Schwend, der ebenfalls beim BDB im Vorstand sitzt, ist der Wechsel der Thannhausener Islamisten zur Ditib „exemplarisch“. Das „Bäumchen-wechsel-dich“-Spiel sei üblich. „Namensänderungen, Auflösungen, Neugründungen und eben Dachverbandswechsel machen die Szene undurchsichtiger, vertraulicher für die Akteure und deren Absichten“, so Schwend gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Die Ditib wirke hierbei fröhlich mit. Spätestens seit Erdogan türkischer Ministerpräsident sei, würden die letzten Schranken fallen, sagt Schwend „aus eigener Erfahrung“. Er erinnert dabei an die umstrittenen Aussagen des türkischen Außenministers und Islamisten Abdullah Gül, der letztes Jahr die türkischen Auslandsvertretungen in einem Rundschreiben auf, die Aktivitäten der IGMG zu begleiten, an ihren Veranstaltungen teilzunehmen und ihre Vertreter zu den Empfängen der Botschaften zu laden. „Das sind doch ganz klare Signale aus Ankara, wohin die Reise gehen soll“, sagt Schwend. „Erschreckende Defizite“ sehen Schrauth und Schwend bei der Informationslage der Politiker und der Medien über solche Zusammenhänge. „Sie wissen meist nicht, wer ihnen gegenübersitzt, mit wem sie reden“. Sie sollten sich lieber besser informieren, anstatt „bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Islamisten ihre Hoffähigkeit zu bescheinigen“. Bis das aber passiere, so Schrauth, würden sich noch vielerorts besorgte Bürger über plötzliche Namenswechsel und Umfirmierungen wundern – wie in Thannhausen. Foto: Ditib-Moschee in Hockenheim: Die Signale aus Ankara sind klar und deutlich – auch Milli Görüs gehört dazu

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