Aus den Kolonien

Vor vier Jahren besuchte Bundeskanzler Schröder medienwirksam die Kleingartenanlage „Dauerkolonie Togo“ im Berliner Stadtbezirk Wedding, um apfelessend seine Verbundenheit zu den Laubenpiepern als Synonym für den „kleinen Mann“ auszudrücken. Nun führte ebendiese Anlage zu Protesten unter in Deutschland lebenden Flüchtlingen aus dem westafrikanischen Land. „Togo ist seit vierzig Jahren unabhängig. Warum heißen Sie Dauerkolonie Togo?“ ereiferte sich ein togolesischer Demonstrant vor einem Kleingärtner, dessen Anlage nach der benachbarten Togostraße benannt ist. „Wir sind völlig unpolitisch“, verteidigte sich dieser. Der Name Togostraße lehne sich zwar wohl am ehemaligen deutschen Schutzgebiet an, der Begriff „Kolonie“ aber sei ein baurechtlicher Ausdruck für Kleingartenanlagen. Davon unbeeindruckt setzte die fünfzigköpfige Gruppe aber ihren Protest fort. Um die Entkolonialisierung endlich abzuschließen, fordert man weiterhin eine Umbenennung.

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