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A lle Jahre wieder wird zu den großen christlichen Festtagen – teils beklagend, teils hämisch – festgestellt, daß nur noch ein geringer Prozentsatz unseres Volkes ihre ursprüngliche Bedeutung erklären könne. Das ist richtig. Wie sollte es nach zwei Generationen systematisch betriebener Entchristlichung des öffentlichen Lebens in der DDR und einer nicht minder intensiven Entchristlichung in der alten Bundesrepublik auch anders sein? Diese Feststellung sollte zur Vermeidung von Fehlurteilen allerdings ergänzt werden durch die Erinnerung daran, daß diese Entwicklung vor allem in und von der evangelischen Kirche mit einem beachtlichen „Nachhaltigkeitsfaktor“ begünstigt worden ist. Es genügt für diesen Zusammenhang der Hinweis auf die Theologie Rudolf Bultmanns, mit der in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die sogenannte Entmythologisierung des Neuen Testamentes eingeleitet worden ist. Sie besagt, daß der moderne Mensch (wer ist das eigentlich konkret?) die Lehre vom Sühnetod Christi am Kreuz und der Auferstehung zu Ostern nicht verstehen könne. Damit wurde der Prozeß der freiwilligen Selbstpreisgabe zentraler Aussagen der christlichen Bekenntnisse eingeleitet, der bis heute andauert. Die aktuellen Beispiele liefern die kläglichen Stellungnahmen maßgebender Repräsentanten und Theologen beider Kirchen zu Mel Gibsons Film „Die Passion Christi“. Sie werden ganz offensichtlich von der Sorge diktiert, es könnte durch diesen Film die wesentliche Aussage von Karfreitag doch wieder erkennbar werden: daß der dreieinige Gott der Christen mit der synkretistischen Gottheit nichts zu tun hat und auch heute noch wie zu Jesu Zeiten „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit ist“ (1. Kor. 1,232). So hat Michel Friedman vor einigen Jahren in einem vielbeachteten Artikel „Holt Jesus vom Kreuz“ in der Osterausgabe einer großen Zeitung geschrieben: „Jesus ein Menschenopfer – kann eine Religion mit einem solchen Symbol verbunden sein wollen? In der jüdischen Religion darf es keine Menschenopfer geben, denn das höchste Gut ist der Mensch selbst, und nichts und niemand darf sich an ihm vergreifen. Nicht das Leiden, sondern das Glück muß oberste Prämisse religiöser Aussage sein. Eine Religion, die aus einem Gewaltakt ihre Identität definiert, muß sich fragen lassen, welches Menschenbild sie prägt?“ Klare Fragen sollten klar beantwortet werden. Sind wir noch dazu fähig beziehungsweise willens? Karfreitag sollte Anlaß zur Besinnung auf diese Frage sein. Prof. Dr. Klaus Motschmann lehrte Politikwissenschaften an der Hochschule der Künste in Berlin.

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