Manipulierte Beweise aus Washington

Beruht der angebliche Grund für den Krieg gegen den Irak auf einer gigantischen Fehlinformation? Gab es die „Massenvernichtungsmittel“ des Saddam-Regimes, die angeblich sogar die USA selber bedrohten, in Wirklichkeit überhaupt nicht? Für diese Vermutung existieren mindestens drei qualifizierte Zeugen: zwei UN-Waffeninspekteure und ein hoher französischer Militär – der Vizepräsident des obersten Komitees für Zivilverteidigung. So hat der ehemalige stellvertretende Stabschef der französischen Luftwaffe, General Étienne Copel, letzte Woche erklärt, daß es sich bei den von US-Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell in der Uno vorgelegten Dokumentation um „freie Erfindungen“ gehandelt habe. Frankreichs konservativer Außenminister Dominique de Villepin bezeichnete das US-Belastungsmaterial gegen den Irak schlichtweg als „nicht seriös“. Ex-Luftwaffen-Stabschef Copel erklärte in dem Pariser Magazin Jeune Afrique, jeder halbwegs ausgebildete Offizier müsse wissen, daß der Irak während der vergangenen zwölf Jahre unter strenger US-Luftüberwachung gestanden habe. Das habe die Errichtung von Anlagen für die Erzeugung von biologischen und chemischen Waffen unmöglich gemacht. Die von Präsident Bush betonte atomare „Bedrohung“ durch den Irak sei „reine Phantasie“. Die erforderliche Technologie sei derart umfassend, daß sie der angloamerikanischen Luftbeobachtung niemals verborgen geblieben wäre. Biologische und chemische Waffen erfordern derart komplizierte Erzeugungs- und Handhabungsprozesse, daß deren Beherrschung dem Bagdader Regime beim gegenwärtigen Wissensstand auf keinen Fall zugetraut werden könne. General Copel schätzte das Angriffspotential der irakischen Armee vor Kriegsbeginn am 20. März 2003 derart niedrig ein, daß es nicht einmal für Iraks unmittelbaren Nachbarn eine Gefahr dargestellt habe. Auch der staatliche britische Rundfunksender BBC meldete, die Amerikaner hätten im Irak nach ihrem Einmarsch keinerlei Massenvernichtungsmittel gefunden. Zu einem identischen Urteil kommen auch zwei UN-Waffeninspekteure, die drei Monate lang für die UN-Waffenkontrollkommission (Unmovic) im Irak im Einsatz waren und erst kurz vor Kriegsbeginn das Land verlassen haben. Unabhängig vom zitierten französischen General Copel kommen auch sie zum Schluß, daß es sich bei den von der US-Regierung vorgelegten Beweisen um Falschinformationen gehandelt habe. So habe Außenminister Colin Powell am 5. Februar dem Uno-Sicherheitsrat Satellitenfotos angeblicher irakischer Dekontaminationsfahrzeuge präsentiert, die sich als Feuerwehrfahrzeuge entpuppten. Auch Ventilationssysteme auf Fabrikdächern, hinter denen die US-Amerikaner eine Chemiewaffenproduktion vermuteten, hätten sich als harmlos herausgestellt, sagte der norwegische Waffeninspekteur Jörn Siljeholm letzte Woche. Der deutsche Inspekteur bestätigte seinen norwegischen Kollegen, wollte aber seine Identität gegenüber dem ARD-Magazin „Report“ nicht preisgeben. Powells Rede bezeichnete der Norweger als „irreführend“ und „hochgradig falsch“. Schon Anfang März hätten die UN-Chefinspekteure Hans Blix und Mohammed el Baradei erklärt, einige der amerikanischen Beweise über irakische Massenvernichtungswaffen beruhten auf „Fälschungen“. So behauptete die US-Regierung, die irakische Regierung habe im Jahr 2000 versucht, vom afrikanischen Staat Niger große Mengen Uran zur Herstellung von Atombomben zu kaufen. Die angebliche „Niger-Connection“ habe die oppositionellen Demokraten im US-Kongreß dazu bewogen, sich dem harten Kurs von Präsident Bush und seinen Republikanern in der Irak-Frage anzuschließen. Auf einem Brief, der den Handel beweisen sollte, fand sich mit Datum 10. Oktober 2000 die Unterschrift des Außenministers von Niger. Der betreffende Politiker gehörte aber schon seit 1989 nicht mehr der Regierung an. Mitarbeiter von Baradei stellten fest, daß auch eine Unterschrift des Präsidenten von Niger gefälscht worden war. Der Chef der UN-Inspekteure im Irak, Hans Blix, hat daher inzwischen die Wiederaufnahme der Waffenkontrollen gefordert. Diese sollten durch von den Vereinten Nationen legitimierte Spezialisten vorgenommen werden. Andernfalls könnte bei Waffenfunden „deren Echtheit angezweifelt werden“, sagte er diese Woche dem Spiegel.

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