Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Futter für die Massenmedien

Über Nacht ist der lang schwelende Konflikt um das Gefallenendenkmal im kleinen Taunusdorf Marienfels (JF berichtete mehrfach) explodiert. Plötzlich ist aus dem – einen Generationenkonflikt markierenden – Duell zwischen Ortsbürgermeister Axel Harlos und dem Vorsitzenden des Kameradschaftsverbandes der 1. Panzerdivision der ehemaligen Waffen-SS e.V., Claus Cordsen, eine politische Schlacht geworden: Am vergangenen Wochenende „eroberten“ gut 1.200 politische Kombattanten und Sicherheitskräfte die 370-Seelen-Gemeinde für einen Tag, Polizei und Demonstranten überschwemmten am Samstag das Dörfchen. „Das ist zu viel“ und „Ich will damit nichts zu tun haben“ waren die genervten Reaktionen einiger Marienfelser, als die JF sie nach ihren Eindrücken dieses Tages befragte. Die Polizei ging mit Pfefferspray vor Der kleine Streit in dem kleinen Dorf um Erhalt oder Abriß eines Ehrenmals für 20.000 gefallene Soldaten der Waffen-SS war auf klassische Weise eskaliert: In politisch korrekter „Kein-Fußbreit-dem-Faschismus“-Ideologie und soldatischer „Hier-wird-nicht-zurückgegangen“-Mentalität verkeilt, hatte das Waffengeklirr der unerbittlichen Kontrahenten unweigerlich politisch interessierte Kreise auf den Plan gerufen. Auf der einen Seite den „Nationalen Widerstand“, sogenannte Freie Kameradschaften, die – auch über NPD-Kanäle – vergangene Woche kurzfristig zum Protestmarsch durch Marienfels aufriefen. Auf der anderen Seite eine sogenannte „Allianz der Vernunft“, ein Organisationsbündnis aus etablierten Parteien der Region, Gewerkschaften bis hin zu linksextremen und gewaltbereiten Antifa-Gruppen. Schließlich standen am Samstag nach Polizeiangaben 500 Gegendemonstranten 250 Demonstranten gegenüber, dazwischen 500 Polizisten. Die Freien Kameradschaften, die nach eigenen Angaben 400 Anhänger mobilisieren konnten, zogen in einem „entschlossenen Protestmarsch gegen den Abriß des Ehrenmals“ unter Losungen wie „Finger weg von Deutschlands Toten“ zur Friedhofsmauer – zum Ehrenmal erhielten sie keinen Zutritt -, um Kränze niederzulegen und in militärischer Formation aufgestellt den Ansprachen ihrer Redner, darunter einige Weltkriegsteilnehmer, zu lauschen. Unterdessen versammelten sich auch die Gegendemonstranten zu einer Kundgebung. Daß dort zwar den Soldaten der Waffen-SS jede Anteilnahme verweigert, den „regulären“ deutschen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs jedoch angeblich ausdrücklich Anerkennung gezollt wurde, erregte das Mißfallen der Antifa-Mitinitiatoren, und unter Parolen wie „Scheiß-Bullen verschwindet … die Nazis sollen bluten!“ begannen sich laut Polizeiangaben etwa 50 bis 70 Personen zu vermummen, ließen aber nach Drohungen der Polizei und unter dem besänftigenden Einfluß der übrigen Gegendemonstranten wieder davon ab. Entsprechend fielen am folgenden Tag die Kommentare zum Beispiel auf der wichtigen linksradikalen Netzseite de.indymedia.org aus: „Scheiß-Demo!“, „Zum Kotzen!“, „Nie wieder Marienfels!“ Und weil sich zudem einige der Gegendemonstranten über die gezeigten „Nie wieder Deutschland“-Transparente beschwert hatten, schmähen enttäuschte Antifa-Aktivisten den nicht gewaltbereiten Teil der Gegendemonstranten zudem als „deutschen Mob“ und „Erfüllungsgehilfen des Staatsschutzes“. Nachdem sich also dank der zahlreichen Sicherheitskräfte, der – wie die Polizei bestätigte – Diszipliniertheit der ursprünglichen Demonstranten sowie der „mangelnden“ Gewaltbereitschaft des Gros der Gegendemonstranten kein „Bürgerkrieg“ vom Zaun brechen ließ, attackierten Antifa-Gegendemonstranten schließlich am Koblenzer Hauptbahnhof einen Teil der auf der Heimreise befindlichen rechtsgerichteten Demonstranten. Die Polizei mußte mit Pfefferspray vor allem gegen die autonomen Angreifer vorgehen – Resultat: ein verletzter Beamter. „Neonazis sind Futter für die Massenmedien und die Politik“, so der Autor und Anglist Dietrich Schwanitz einmal im Interview mit dieser Zeitung, und so hatten nicht nur alle wichtigen Medien in Rheinland-Pfalz – von den Zeitungen bis hin zu verschiedenen regionalen Fernsehsendern – von der angekündigten Demonstration berichtet, sondern auch SPD-Landesvater Kurt Beck hatte die Demo der Kameradschaften sowie die der „Allianz der Vernunft“ vor den eigenen PR-Karren gespannt: Am Donnerstag rief er noch medienwirksam zur Teilnahme an der Gegendemonstration auf, am Samstag ward er nicht gesehen – leider „terminlich verhindert“, wie eine Mitarbeiterin seines Pressestabes am Montag auf Nachfrage der JUNGEN FREIHEIT meinte. Doch nicht nur Beck, auch bei der CDU nutzte man offenbar die Gelegenheit, ohne Verantwortungsbewußtsein etwas Gutmenschen-Bonus abzuschöpfen: So beteuerte gegenüber der JF einer der Oberen der regionalen Rhein-Lahn-CDU – der ausdrücklich bat, ungenannt zu bleiben -, daß man natürlich, ganz im Sinne der „Allianz der Vernunft“, ebenso gegen „das Ehrenmal“ wie gegen „die Neonazis“ demonstriert habe, schließlich könne man das auch gar „nicht trennen“. Doch die Gegenfrage, ob die CDU also gegen einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Toten des Krieges demonstriere, löste merkliche Verunsicherung aus. So blieb die Frage – trotz Wiederholung – einfach unbeantwortet, ebenso übrigens wie von Kurt Beck, der die entsprechende schriftliche Anfrage der JF bis zum Redaktionsschluß nicht erwiderte. Neonazis und Gedenkstein auseinanderhalten Doch keine zwei Minuten später stellt der CDU-Mann wie von sich aus fest, daß man „Neonazis“ und „Gedenkstein“ natürlich „auseinanderhalten“ müsse. Verunsicherung auch ob der Nachfrage, ob nicht eigentlich sogar die Aufgabe der Union darin bestünde, sich schützend vor das bürgerliche Totengedenken zu stellen. Auch hier zunächst beharrlich keine konkrete Antwort, Minuten später aber wie selbstverständlich die Bemerkung, daß das Denkmal nicht „für die falschen Parolen mißbraucht“ werden dürfe. „Hätte die Union sich darauf mal ein bißchen früher besonnen“, so Veteranenverbandsvorsitzender Claus Cordsen, „dann wäre Marienfels und uns alten Soldaten sowohl die Demonstration, wie auch die Gegendemonstration erspart geblieben!“ Cordsen befürchtet, daß aus dem Affekt gegen das Auftauchen der Freien Kameradschaften heraus nun endgültig zum Sturm gegen „seinen“ Stein geblasen wird. Diesen Kampf aber könnte der alte Soldat nicht mehr kämpfen.

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