Joachim Kuhs

 

Sonderwege

Heike Makatsch durfte jetzt mal eine drei Nummern größere Künstlerin imitieren, und schon steht sie über den Dingen. Der deutsche Kulturbetrieb hat ihren Hildegard-Knef-Film hochgejubelt.  Sie schwebt auf Wolke sieben. Es gab aber Ausnahmen. Als neulich ein Kollege von der Berliner Morgenpost um ein Interview bat, bekam er eine Absage: Ihr habt „Hilde“ schlecht besprochen, lautete der Grund. So werden also Zeitungen bestraft, die nicht nur positiv berichten. Die andere, weitaus aufwendigere Maßnahme von sogenannten Prominenten, um das Unerwünschte auszumerzen, ist die vertragliche Festlegung vor dem Interviewtermin. Die Interviewten bestehen darauf, hinterher zu korrigieren, was gesagt wurde (Autorisierung). Oft wird der Text dann total verdreht. Manche bestimmen auch noch das Erscheinungsdatum oder die Bilderauswahl. Die ständig zunehmenden Zensurmaßnahmen – übrigens ein deutscher Sonderweg im sonst so internationalen Mediengeschäft – vergällen die Lust an jedem Interview – am Führen wie am Lesen. Es gibt Leser, die blättern deswegen inzwischen bei Interviews immer gleich weiter.

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