Ein Witz jagt denselben

Die Erwartungen waren wohl etwas zu hoch. Nachdem 2001 der Kinokracher „Der Schuh des Manitou“ mit über elf Millionen Zuschauern bewies, daß deutsches Kino durchaus ein Straßenfeger sein kann, freute sich fast die gesamte Zuschauerschaft auf ein neues Abenteuer des Allzwecktalents Michael „Bully“ Herbig. Herbig, der für seine Winnetou-Persiflage mit Fernsehpreisen nahezu totgeworfen wurde, versuchte mal etwas anderes und ließ die Zuschauer seiner „Bullyparade“, einer im letzten Jahr eingestellten Comedysendung auf Pro Sieben, ganz demokratisch abstimmen, was dem Häuptling und seinen Kumpanen folgen sollte. Die Wahl fiel – heute muß „leider“ gesagt werden – auf Käpt’n Kork, Spucki und Schrotti, die homosexuell-schrullige Veralberung von Enterprise & Co. Seit dem 22. Juli fliegt nun die Crew samt einigen bekannten Gesichtern wie Til Schweiger als Taxifahrer und Sky Dumont als Berufsbösewicht erst durchs All und dann durch die Zeit. Bereits bei der Premiere wurde klar, daß allein das Fernsehen für eine atemberaubende Stimmung sorgen und einen Anfangserfolg förmlich herbeireden kann. Werbung mit Fanartikeln sorgt schon für eine gewisse Penetranz. Bereits nach dem ersten Wochenende verdrängte „(T)raumschiff Surprise“ seine Mitkonkurrenten von den Spitzenplätzen der Kinocharts, die Betreiber ließen andere Filme aus dem Programm purzeln. Von acht Sälen waren in Potsdam sieben in der 20-Uhr-Vorstellung mit dem (T)raumschiff völlig ausverkauft. Was im Film selbst folgt, ist erschreckend ernüchternd. In jedem Sketch der „Bullyparade“ konnte man noch über das tuntenhafte Auftreten von drei Weltraumschwuchteln lachen – wenn es sich über 90 Minuten erstreckt, nervt es einfach nur. Sky Dumont hatte auch schon bessere Rollen und Till Schweiger wirkt wie ein Fremdkörper in einem Film, der auch noch „Star Wars“ kräftig auf die Schippe zu nehmen versucht. Ein Witz jagt denselben, und die nächste Szene hat man irgendwie schon in „Spaceballs“, der ersten Weltraumpersiflage vom Sternenkrieg, gesehen. Es ist wie im Leben: Wenn ein Film-stoff (ohne eigene Beteiligung) demokratisch gewählt wurde, kann einem das Ergebnis – wie Spucki das Beamen – schon ziemlich „auf den Sack gehen“.

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