Ein enormes Echo in den Medien findet der Angriff auf die Bibliothek des Konservatismus. Auch internationale Berichterstatter empören sich über den Anschlag auf die Wissenschaftsfreiheit durch eine Einrichtung des Landes Niedersachsen.Von einer „Digitalen Bücherverbrennung“ spricht der European Conservative. Die Neue Zürcher Zeitung berichtet auf der Titelseite der Saamstagsausgabe: „Die Bibliothek des Konservatismus ist in ihrer Existenz bedroht“.
Der Berliner Bibliothek des Konservatismus (BdK) wurde vom norddeutschen Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) überraschend der Anschluß gekündigt – ohne Angabe von Gründen. Offiziell war die privat finanzierte Spezialbibliothek zwar nie GBV-„Mitglied“, nutzte aber einen Hosting-Vertrag zur Katalogisierung seiner Werke. Diese Kooperation soll nun 2025 enden. Das hat weitreichende Folgen für die Sichtbarkeit und wissenschaftliche Anbindung der BdK.
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Tatsächlich befinden sich laut BdK-Leiter Wolfgang Fenske bis zu zehn Prozent der 35.000 Werke exklusiv in dieser Sammlung – Titel, die nirgends sonst verfügbar sind. Fenske vermutet linke „Cancel Culture im Bibliothekssystem“, gegen die man nun klage. Da der GBV als landeseigener Betrieb eine öffentliche Aufgabe erfüllt, dürfe er „keine Institution aus ideologischen Gründen ausschließen“, argumentiert die BdK. Der GBV verweist auf einen rein privatrechtlichen Vertragsabschluß und schweigt zu Motiven. Niedersachsens Wissenschaftsministerium – politisch verantwortlich für die GBV-Zentrale – hielt sich ebenfalls bedeckt und verwies auf die Antwort des Verbunds. Ist das Vorgehen der 2024 eingesetzten neuen Leitung also mit der Landesregierung abgestimmt?
Die Bibliothek ist seit Langem im Visier
Seit Jahren beobachten linke Gruppen und Parteien die BdK mißtrauisch. Sie sei kein reines Bücherarchiv, sondern ein „Vernetzungsort der extremen Rechten“, meint der Berliner Grünen-Abgeordnete Ario Mirzaie. Er nannte die BdK eine „rechtsextreme Kaderschmiede mit akademischem Anstrich“. Berliner Grünen-Politiker forderten bereits 2024, Bibliotheksverbünde müßten ihre Aufnahmekriterien überdenken, um sich „vor Verfassungsfeinden zu schützen“.
Auf der anderen Seite sehen viele Publizisten und Wissenschaftler in der Kündigung einen alarmierenden Angriff auf die freie Wissenschaft. Die sieben regionalen Bibliotheksverbünde in Deutschland haben den Auftrag, den Zugang zu Büchern zu erleichtern – etwa durch gemeinsame Online-Kataloge und Fernleihe. „Ein Wissenschaftsministerium macht Bücher unsichtbar“, titelte der Cicero daher. Ohne die Verbund-Anbindung werden die Bücher der BdK im zentralen Suchsystem nicht mehr angezeigt. Fernleihe und Datenbank-Kooperation brächen weg. Selbst kritische oder linke Wissenschaftler verlören den leichten Zugang zu Primärquellen. Für die BdK bedeutet dies immense Mehrarbeit und Kosten. Die Kündigung „könnte das Ende bedeuten“, warnt Fenske.
„Wie kann man auf die Idee kommen, als Hoheitsträger Bücher unsichtbar zu machen?“
Welt-Herausgeber Ulf Poschardt sieht in dem Vorgang „Rückzugsgefechte der Kulturlinken“, die auf ihrem Weg „noch möglichst viel zerstören“ wollten: „Ohne die Anbindung an den Verbund wären die rund 35.000 katalogisierten Titel der BdK im Orkus verschwunden.“ Der Historiker Peter Hoeres prangerte „Cancel Culture im Bibliothekssystem“ und „Zensur“ an.
Einen Funken Hoffnung versprüht die Tatsache, daß nun das Göttinger Verwaltungsgericht entscheiden müssen wird – und nicht etwa ein Zivilgericht. Morten Friedel meint in einem Kommentar der Neuen Zürcher Zeitung: „Wie kann man auf die Idee kommen, als Hoheitsträger Bücher unsichtbar zu machen? Sind Bücher gefährlich? Wo soll das noch hinführen? (…) Was hier geschieht, ist längst Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Die Lagerbildung und das Denken in Brandmauern haben tiefe Spuren hinterlassen. (…) Man sollte Gedanken, die einem unangenehm sind, niemals aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannen. Jedenfalls nicht, wenn einem die Demokratie etwas bedeutet. “
Lorenz Jäger hofft in der Welt auf eine juristische Klärung durch die Klage der BdK gegen den Bibliotheksverbund: „Vielleicht sollte manches einmal klargestellt werden, vielleicht hätte man irgendwann ein Grundsatzurteil, das den Kontrollexzessen eine Grenze setzte. ’The future of libraries is open‘, um die neue Chefin des Bibliotheksverbundes noch einmal zu zitieren – die Zukunft der Bibliotheken bleibt offen!“
Was sind BdK und GBV?
Die in Berlin ansässige Bibliothek des Konservatismus ist eine wissenschaftliche Spezialbibliothek, die das intellektuelle Erbe des Konservatismus bewahrt. Getragen wird sie von der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF), deren Stiftungsratsvorsitzender der Herausgeber der JUNGEN FREIHEIT, Dieter Stein, ist. Während die Gründung der Bibliothek in das Jahr 2011 fällt, fand die feierliche Eröffnung am 22. September 2012 statt.

Eine Besonderheit ist die vollständige Unabhängigkeit von staatlichen Mitteln: Die Institution ist zu 100 Prozent spendenfinanziert und erhält keine öffentlichen Gelder. Ihr Bestand umfaßt aktuell rund 35.000 katalogisierte Bände und speist sich aus den Sammlungen des Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing und des Philosophen Günter Rohrmoser.
Der Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV) ist der größte der sechs Bibliotheksverbünde Deutschlands und vernetzt Einrichtungen in sieben Bundesländern (siehe Karte). Ihm gehören über 200 wissenschaftliche Bibliotheken an, darunter prominente Häuser wie die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen, die TIB Hannover, die SUB Hamburg oder die Staatsbibliothek Berlin. Die Verbundzentrale (VZG) mit Sitz in Göttingen wird tatsächlich als Landesbetrieb vom Land Niedersachsen getragen. Die Leitung der Verbundzentrale wechselte im Oktober 2024 von Gründungsdirektor Reiner Diedrichs zu Regine Stein.





