Die Darsteller des Films "Gott, du kannst ein A... sein" um Til Schweiger (2. v. r.) Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa
Die Darsteller des Films „Gott, du kannst ein A… sein“ um Til Schweiger (2. v. r.) Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa
Der Film „Gott, du kannst ein A… sein!“

Die Legende von Steve und Steffi

Vor sechs Jahren kam die Verfilmung des Romans „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ in die Kinos – die Geschichte eines Jungen, der todkrank ist und sich unsterblich verliebt. Es war die Geburtsstunde eines neuen Genres, das man „Love Story“ fürs Digitalzeitalter nennen könnte: moderne Variationen der zeitlos schönen Tragödie mit Ali MacGraw und Ryan O‘Neal von 1970.

Der deutsche Filmstar Til Schweiger und die einstige Musikkanal-Moderatorin Heike Makatsch spielen die Eltern von Steffi (Sinje Irslinger), einem 16jährigen Springinsfeld, das nach der mittleren Reife eine Ausbildung bei der Polizei beginnen möchte. Doch Steffi besteht den Gesundheitstest nicht. Der Grund: unheilbarer Krebs!

Eine in mehrfacher Hinsicht vernichtende Diagnose: Steffi muß sich nicht nur von ihrem gesamten Karriereplan verabschieden, sondern auch von der höchst originellen Idee, während der letzten gemeinsamen Klassenfahrt in einem Pariser Hotel mit ihrem langjährigen Freund zum ersten Mal geschlechtlich zu verkehren.

Das Klischee prägt die Handlung

Statt der Abschlußfahrt steht ihr nun die Achterbahnfahrt aggressiver Chemotherapien bevor. Auf dem Weg dorthin trifft sie den Artisten Steve (Max Hubacher), der als „Person im Gleis“ ihren Zug zum Stehen bringt. Der Selbstmörder und das Landei, wie sie fortan einander spöttisch nennen, beschließen spontan, der Abschlußklasse hinterherzureisen. Davon bekommen Steffis Eltern Wind und machen sich ebenfalls auf den Weg nach Paris.

Man kann nicht behaupten, daß André Erkau (Regie) die Todsünde unterläuft, sein Publikum zu langweilen. Die Handlung ist aber einfach zu klischeehaft und oberflächlich, um aus der Fülle inhaltlich ähnlich gelagerter Filme herauszuragen. Das war zuletzt der US-Produktion „I Still Believe“ gelungen, die im Sommer in die Kinos kam und das Thema ‚tragischer Schicksalsschlag zerstört Bilderbuchromanze‘ mit mehr Tiefgang behandelte und mutig genug war, den Glauben an Gott als Kraftquelle im Leid zu zeigen.

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Für Deutschlands säkulare Filmemacher mit ihren kulturmarxistischen Leitbildern ein viel zu pietistischer Ansatz. Sie ziehen Zeitgeist-Plattitüden als Sinnstifter vor. Das epikureische carpe diem wird, dank einer Klapperkiste mit Steve am Steuer, vierrädrig, bleibt aber ein Akt metaphysischer Hoffnungslosigkeit.

Til Schweiger gibt dem Film einen Lerneffekt

Dabei ist Steffis Vater Frank Pape Pastor. Der Autor der Buchvorlage mit dem Untertitel „Stefanies letzte 296 Tage“ hätte also mehr mitzuteilen gehabt als die indianische Kalenderweisheit über Liebe und Verzicht, die zur modischen Moral der Tragikomödie avanciert. Das wird kongenial ergänzt durch Steffis Besuch im Tätowierladen, wo sie sich nach dem Vorbild archaischer Heidenvölker ihr Credo unter die Haut spritzen läßt: „Gott, du kannst ein A… sein!“ So drückt sich wohl ein deutscher Teenager aus, dessen Vater Pastor ist, wenn er sagen möchte: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

Verraten fühlt sich offenbar auch der Pastor selbst. Man sieht ihn unterwegs in einer Kirche sitzen und bilanzieren: „Glauben reicht mir nicht mehr.“ Aber war sein Glaube je mehr als nur übergestreift wie ein Talar für die Sonntagspredigt?

Schweiger tut sich schwer in der Rolle des Seelsorgers. Trotzdem ist ihm der größte Lerneffekt des Films zu verdanken: eine Erklärung für Deutschlands leere Kirchen. Geistliche, die in ihrem Amt nicht glaubwürdiger sind als Til Schweiger als Pastor Pape, sind Werbung für den Austritt.

Die Darsteller des Films „Gott, du kannst ein A… sein“ um Til Schweiger (2. v. r.) Foto: picture alliance/Henning Kaiser/dpa

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