JF-TV-Dokumentation

Alt statt neu – dem Wahren Schönen Guten!

In Frankfurt am Main ist ein kleiner Teil der einst größten mittelalterlichen Altstadt Deutschlands wieder auferstanden. Nicht vollständig rekonstruiert, aber immerhin: 15 Rekonstruktionen und 20 angepaßte Neubauten wurden auf dem Dom-Römer-Areal errichtet, wo in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Technischen Rathaus ein brutalistischer Betonklotz stand.

Das Ergebnis ist lebendig, detailverliebt und freundlich: kleine Plätze, Hinterhöfe und Gassen, Ornamentik, Fachwerk und Spolien, erhaltene Originalteile, die liebevoll eingearbeitet wurden.

Und schon wehen wieder die alten Geschichten von früher durch die Gassen. Über Tante Melber zum Beispiel, der Tante von Goethe, in deren Haus am Hühnermarkt der berühmte Dichter ein Jahr lang wohnte, als das Haus seiner Eltern renoviert wurde. Mit dem Umbau ist auch der alte Krönungsweg wiederhergestellt, den jahrhundertelang die Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beschritten, nachdem sie im Frankfurter Kaiserdom gekührt wurden.

„Rechtsradikale“ und „geschichtsrevisionistische“ Ziele

Am Tag, an dem die Bauzäune fielen und das Areal freigegeben wurde, begleitete JF-TV drei der Initiatoren des Projektes durch das frisch enthüllte Viertel: Cornelia Bensinger, Vorsitzende des Vereins Pro Altstadt e.V., Wolfgang Hübner, langjähriger Stadtverordneter der Bürger für Frankfurt (BFF) und Claus Wolfschlag, Politikwissenschaftler und Publizist, der unter anderem auch für die Junge Freiheit schreibt. Sie erzählen, wie das Projekt zustande kam und mit welchen Hürden sie zu kämpfen hatten; bis hin zur unentwegt schwingenden Nazi-Keule, die nun offenbar schon jeden trifft, der sich nur für die Wiedererrichtung schöner alter Bauwerke einsetzt.

Ist Fachwerk faschistisch? Sind Rekonstruktionen „Nazi“? Geht es nach dem Stuttgarter Professor für moderne Architektur, Stephan Trüby, dann ist das offenbar so. Jedenfalls in Frankfurt. In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit dem vielsagenden Titel „Wir haben das Haus am rechten Fleck“ stellte er JF-Autor Wolfschlag als NPD-nahen Aktivisten dar, bastelte sich so einen angeblichen Beweis für „rechtsradikale“ und „geschichtsrevisionistische“ Ziele der Altstadt-Initiatoren.

„Nicht links oder rechts – sondern schön oder häßlich“

„Als wir uns mit dem Projekt befaßten, haben wir nicht an ‘links’ oder ‘rechts’ gedacht“, erwidert Hübner gegenüber JF-TV, „sondern an schön oder häßlich.“ Tatsächlich zeigt sich gerade in Frankfurt, daß die Ideologisierung von Architektur und Stadtplanung dieser Tage vor allem von Linken betrieben wird. Schließlich wird in der Stadt gefühlt an jeder Ecke gebaut, in aller Regel modern, nicht selten mit wenig einladender Wirkung. Alleine zwanzig Hochhäuser sind in Bau oder Planung, aber eine kontroverse Debatte gibt es ausgerechnet wegen diesem kleinen Stück Stadtgeschichte, das nun zumindest ansatzweise wieder entstanden ist. Warum eigentlich?

Den Initiatoren der Frankfurter Altstadt indes ging es vor allem um das, was auf der bereits rekonstruierten Alten Oper über dem Eingang steht: „Dem Wahren Schönen Guten.“ Damit scheinen sie den Nerv vieler Bürger getroffen zu haben. CDU und SPD streiten jedenfalls schon darum, wer sich die Idee als erstes zu eigen gemacht hat. Gut möglich also, daß die neue Frankfurter Altstadt dazu beitragt, daß es demnächst sowohl hier als auch anderswo noch häufiger heißt: alt statt neu!

Der wieder hergestellte Krönungsweg auf dem Dom-Römer-Areal in Frankfurt am Main aus der Luft Foto: JF-TV

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