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Mickys deutsche Verwandtschaft

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen von den Füchsen: Der Hamburger Verlag Tigerpress, der seit 2005 eine Neuauflage von Rolf Kaukas Comics „Fix & Foxi“ herausgab, muß das Heft nun aus finanziellen Gründen wieder einstellen. Schuld am drastischen Sinken der Auflage sei vor allem die Konkurrenz von Videospielen und Internet, erklärte der Geschäftsführer des Verlags.

Damit ist auch der zweite Wiederbelebungsversuch der 1994 eingestellten originalen Serie gescheitert. Der erste Anlauf im Jahre 2000 (JF 45/05) wurde bereits nach drei Ausgaben wieder abgebrochen. Aber schon damals erschienen „Fix & Foxi“ wie Anachronismen in einer manga-übersättigten Welt. Die Zielgruppe waren nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch nostalgische Erwachsene. Generationen von Lesern waren mit dem Heft groß geworden, das in seinen Glanzzeiten bis zu 400.000 Stück absetzte.

Der große Erfolg stellte sich allerdings erst ein, nachdem Rolf Kauka die noch recht traditionell kinderbuchartig konzipierten Nebenfiguren des 1953 erschienenen Magazins Till Eulenspiegel nach Kräften amerikanisierte. Vorbild war natürlich das Entenhausen der seit 1951 in Deutschland erhältlichen „Micky Maus“. Fix & Foxi standen zu ihrem Onkel Fax in einem ähnlichen Verhältnis wie Tick, Trick und Track zu ihrem Onkel Donald, aus Oma Duck wurde Oma Eusebia, aus Daniel Düsentrieb der Erfinder Knox und aus Goofy der noch asozialere Vielfraß Lupo. Letzterer war in den ersten Folgen noch unzweifelhaft als böser Wolf gezeichnet und wandelte sich allmählich in ein undefinierbares Wesen mit einer riesigen ballrunden Nase.

Trotz dieser recht offensichtlichen Ähnlichkeiten ging es in Fuxholzen doch weniger niedlich und zum Teil pädagogischer zu als in Entenhausen. Zu Fix & Foxis Ahnengalerie gehörten eben auch Wilhelm Buschs „Max & Moritz“ mit ihren eher bösen Streichen.

Urdeutsch ist auf eine gewisse Weise auch der kleine Maulwurf Pauli, seit 1958 Star der populärsten Nebenserie des Hefts. Das Entenhausener Gesetz der „Veronkelung“ durchbrechend, wohnt Pauli mit seinen bieder-bürgerlichen Eltern inmitten eines großen Waldes, in dem es weniger hektisch und auch „magischer“ zugeht als in Fuxholzen. Auch ihm ist wie seinen Fuchsvettern der Zeitgeist längst davongelaufen, woran auch alle peinlichen Anbiederungsversuche nichts ändern konnten.

Wenn auch Totgesagte in der Regel länger leben: Der alte Charme wird sich wohl nie wiederherstellen lassen.

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