Wermut

Wenn es einen Autor gibt, auf den das Prädikat „Noir“ paßt, dann Cornell Woolrich. Seine düsteren Kriminalromane und Detektivgeschichten sind von einer konsequent pessimistischen Weltsicht geprägt und bevölkert von verlorenen, verzweifelten, verwundeten und vereinsamten Seelen, die sich in der verkommenen, fauligen Atmosphäre billiger Absteigen, schäbiger Tanzlokale und ranziger Rund-um-die-Uhr-Kinos suhlen. Woolrich prägte maßgeblich den „Hardboiled“-Typus der Schwarzen Serie und lieferte zahlreiche Drehbücher, seine Romane dienten als Vorlage für Filme von Robert Siodmak, Alfred Hitchcock und François Truffaut. In der Reihe „Film Noir Collection“ präsentiert Koch Media mit Roy William Neills „Black Angel“ (1946) nun ein echtes Prachtexemplar des Genres. Ein kleiner Wermutstropfen ist der Fernsehtitel „Schwarzer Engel“ – der deutsche Kinotitel lautete ursprünglich „Vergessene Stunde“ -, weil der Film dadurch mit Brian de Palmas Thriller „Obsession“ („Schwarzer Engel“, 1976) verwechselt werden kann. Für dieses kleine Manko wird man jedoch vor allem durch die beklemmend-düstere Stimmung dieses B-Krimis entschädigt. Die Grundkonstellation ist im Roman die gleiche wie im Film. Der zum Alkoholiker gewordene Martin Blair (Dan Duryea) versucht vergeblich, seine Ex-Frau zurückzugewinnen. Doch die attraktive Sängerin hat sich längst einem anderen (John Phillips) zugewandt. Als sie ermordet aufgefunden wird, wird ihr Geliebter für die Tat zum Tode verurteilt. Gemeinsam mit dessen Frau Catherine (June Vincent), die von der Unschuld ihres Mannes überzeugt ist, macht sich der Trinker auf die Suche nach dem wahren Mörder. Er wird zu ihrem wichtigsten Verbündeten und verliebt sich in sie. Als sie ihn abweist, weil sie ihren in der Todeszelle sitzenden Mann trotz dessen Untreue immer noch liebt, erkennt Martin während eines Alkoholexzesses, daß seine Erinnerung ausgesetzt und er selbst die schreckliche Tat begangen hat … „Black Angel“ zeigt, daß niemand seinem Schicksal entrinnen kann. Es spielt keine Rolle, wie hart man gegen die Gesellschaft kämpft, am Ende schafft man es doch nicht, sich freizustrampeln. Alles in diesem Film ist nur eine fragile Utopie, der von Anfang an kein Bestand vergönnt ist. Die bessere, schönere Welt bleibt eine abweisende, uneinnehmbare Festung. Als Bonus bietet die DVD den amerikanischen Kinotrailer und eine Bildergalerie. DVD: Schwarzer Engel (Film Noir Collection 3 ) Koch Media, München-Plannegg 2008, Laufzeit: ca. 77 Minuten

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