Haudegen der alten Garde

Gerade erst neun Wochen ist es her, daß der frühere Chefredakteur der Welt, Herbert Kremp, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Springer-Verlages, Peter Tamm, auf einem nachträglichen Empfang zu dessen 80. Geburtstag gratulierte und seine Ära würdigte. Am 12. August nun, auf den Tag genau drei Monate nach Tamm, wird auch Herbert Kremp achtzig, und natürlich richtet das Haus, für das er seit bald vierzig Jahren in den unterschiedlichsten Positionen arbeitet, auch ihm einen Empfang aus. Herbert Kremp, in München geboren und an der dortigen Ludwig-Maximilians-Universität 1954 mit einer Arbeit über Oswald Spengler, Arnold Toynbee und Max Weber promoviert, darf für sich in Anspruch nehmen, der letzte jener bis heute in aktiven Diensten Springers stehenden Haudegen zu sein, die noch persönlich Seite an Seite mit Axel Springer einen intellektuellen Konservatismus pflegten und förderten, der den juvenilen Nachfolgern, sofern überhaupt je vorhanden, auf ihrem Weg nach oben längst abhanden gekommen ist. Alle anderen aus dieser alten Publizistengarde sind entweder lange verstorben (Matthias Walden, Enno von Löwenstern) – oder schreiben seit Jahren, wie Günter Zehm, für die JUNGE FREIHEIT. Tatsächlich dürften nicht wenige Jungspunde im Hause Springer mit dem Namen Kremp nicht mehr viel verbinden, außer daß sie ihn als immer noch häufigen Autor in den eigenen Blättern lesen können. Die beliefert der zweimalige Theodor-Wolff-Preisträger (1978 für eine Reportage aus Peking und 2003 für sein Lebenswerk) bis auf den heutigen Tag mit seinen ebenso pointiert-scharfzüngigen Kommentaren und Meinungsartikeln zu tages- oder wochenaktuellen Geschehnissen sowie seinen meist klugen Analysen und Essays zu grundsätzlichen Fragen, insonderheit politischen und zeithistorischen. Daß er dabei vor allem mit seinen weltgeschichtlichen Betrachtungen oft richtig liegt, beweist im Rückblick sein unerschütterlicher Glaube an die deutsche Wiedervereinigung und der prognostizierte Untergang der Sowjetunion – beides Positionen, für die er vor 1989/1991 zum Teil heftig als „Kalter Krieger“ angefeindet wurde. Seine journalistische Laufbahn begann der Historiker, Staatsrechtler und Nationalökonom Kremp mit einem Volontariat bei der Frankfurter Neuen Presse, anschließend war er Redakteur bei der Rheinischen Post in Düsseldorf und Ressortleiter der Berliner Tageszeitung Der Tag. 1963 wurde er, mit nur 34 Jahren, Chefredakteur der Rheinischen Post. 1969 übernahm er die Chefredaktion der Welt, einen Posten, den er bis 1985 dreimal innehatte.

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