Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Fasziniert, geschockt und mit Gänsehaut

Er wird der "Howard Hawks der Moderne" genannt, und in der Tat fühlt sich John Carpenter eigenen Angaben zufolge den Vorbildern der alten Hollywoodzeit "seelenverwandt". Auch seine Filme profitieren von der Filmtechnik seiner Idole Hawks und John Ford, aber auch Orson Welles und Alfred Hitchcock, wobei er dennoch in jedem seiner Werke zu einem eigenen unverwechselbaren Stil findet. Die Ergebnisse sind, das beweisen seine Filme, beachtlich, ebenso wie die Wirkung auf das Publikum, das Carpenter eigentlich nur in einer einzigen Verfassung das Kino verlassen sehen möchte: "Fasziniert, geschockt und mit Gänsehaut!"

Folgerichtig lautet der Titel der bei Kinowelt erschienenen neuen DVD-Box dann auch "John Carpenter – Master of Darkness". Es beginnt mit "The Fog – Nebel des Grauens" (1979), einer Geistergeschichte, der er einen Vers von Edgar Allan Poe voranstellt, die aber eigentlich eine Hommage auf alte Comic-Strips wie "Geschichten aus der Gruft" ist. Einmal mehr greift der Regisseur hier auf die Tradition des Erzählkinos zurück und schildert eine atmosphärisch dichte gotische Horrorgeschichte mit Szenen, die an gute, alte Gruselfilme erinnern: das unheimliche Klopfen an der Tür, die Leiche, die aus dem Schrank fällt, der Tote, der vom Seziertisch herabsteigt und die Zuschauer um das Mädchen (Jamie Lee Curtis) bangen läßt. Der unheimliche Nebel als führendes Element, als den Film vorantreibende und in Bewegung bringende Kraft gibt dem Ganzen den romantisch-düsteren Charme einer gothic novel und macht "The Fog" zu einem technisch virtuosen, effektvoll inszenierten, stimmungsvollen Horrorfilm mit suggestiver Musik, der – sehr gekonnt – eine Atmosphäre der Angst und des Schreckens verbreitet.

Fast noch eindrucksvoller ist "Prince of Darkness" (Die Fürsten der Dunkelheit, 1987). Auch hier stammen Musik und Drehbuch von Carpenter, doch als Tribut an eine populäre britische Science-fiction-Serie aus den fünfziger Jahren nennt er sich hier Martin Quatermass. In einer unterirdischen Kapelle einer ausgestorbenen antiken Bruderschaft in Los Angeles macht sich eine Gruppe Wissenschaftler daran, ein mysteriöses Gefäß mit einer Flüssigkeit zu untersuchen, von der unheilvolle Kräfte auszugehen scheinen. Als sie erkennen, daß sie es mit Satan persönlich zu tun haben, ist es jedoch fast zu spät.

"Prince of Darkness" ist ein routiniert entwickelter Horrorfilm mit zahlreichen Schockszenen, den Carpenter zudem mit Fragestellungen der modernen Physik garniert. Eine besonders dämonische Einlage liefert der Rock-Star Alice Cooper, während Donald Pleasence – seit "Hallooween" Carpenters Lieblingsdarsteller – als katholischer Priester dem Grauen eher hilflos gegenübersteht.

"They Live" (Sie leben!, 1988) lehnt sich hingegen stilistisch an die Genrefilme der fünfziger Jahre an. In dem straff inszenierten Science-fiction-Thriller mit satirischen Seitenhieben auf den amerikanischen Lebensstil unterwandern Außerirdische als seriöse Geschäftsleute getarnt Los Angeles und verwandeln die Bevölkerung per Fernhypnose in willenlose Konsum-Idioten, bis sich schließlich ein paar unverdrossene Idealisten zur Wehr setzen und zurückschlagen.

DVD-Box: John Carpenter – Master of Darkness. Kinowelt, Leipzig 2007. Laufzeit: ca. 272 Minuten

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