Die Klempner-Brigade rückt an

Klargeworden ist es nie, warum die Jura-Professorin und pensionierte Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach (72), vor vier Jahren mit der Leitung des Goethe-Instituts betraut wurde. Vermutlich war es ihr SPD-Parteibuch, das für Rot-Grün den Ausschlag gab. Als Analytikerin oder Vordenkerin in Kulturfragen ist sie jedenfalls bis heute nicht hervorgetreten. Oder soll man ihre in der Kanadischen Botschaft gehaltene Grundsatzrede vom Sommer 2005 dazu zählen? Dort hatte sie behauptet, Empfehlungen an die „Migranten“ in Deutschland, sich den Gebräuchen des Gastlandes anzupassen, verdienten kein Gehör, sondern die autochthone Bevölkerung müsse lernen, die „Andersartigkeit eingewanderter Religionen“ zu „ertragen“. Nun aber geht es los mit dem Akzentesetzen, der Schwerpunkt des Instituts soll von Europa weg in fernere Regionen verlagert werden. Die Schließung bzw. Schrumpfung des Goethe-Instituts in Kopenhagen begründet sie so: „Wir müssen in Europa lernen, daß wir nicht mehr der Nabel der Welt sind.“ Nun, das wissen wir längst, und wir erfahren es mit jeder Meldung über die Verlagerung von Betrieben nach Fernost neu. Europa ist heute ein verwundbarer, irritierter Kontinent. Deshalb ist es so wichtig, daß die europäischen Staaten zusammenrücken, was den Brückenbau über kulturelle Differenzen und historische Irritationen hinweg noch dringlicher macht. Wie wenig man in Deutschland über den Nachbarn Dänemark weiß, stellte sich im Zuge des Karikaturenstreits heraus. Kulturarbeit braucht Stetigkeit und Verläßlichkeit, nur so entsteht Vertrauen, wachsen Sympathien und Multiplikatoren heran. Gegen eine behutsame Neuausrichtung des Instituts ist nichts zu sagen. Doch die Ankündigung, künftig seien „Projekte“ wichtiger als „Strukturen“, läßt die Stunde der Konjunkturritter und Drittmitteleinwerber befürchten, die sich heute hier, morgen dort zuständig, aber nirgendwo verantwortlich fühlen. Schon unter Rot-Grün war beschlossen worden, die Kulturarbeit enger an die Politik zu binden. Das Goethe-Institut soll laut Limbach „in Regionen und Staaten kulturell wirken, wo überhaupt erst ein gemeinsamer Verständigungshorizont erarbeitet werden muß, um Konflikte gewaltfrei zu lösen“. Eine Klempner-Brigade der Kultur also, die politische Rohrbrüche behebt bzw. ihnen vorbeugt. Zur Bestätigung, daß Deutschlands Freiheit auch am Hindukusch verteidigt wird, wurde kürzlich im afghanischen Kabul eine neue Goethe-Filiale eröffnet. Hat man dort keine anderen Sorgen? Während Limbach begrüßt, daß in Deutschland kulturell-religiöse „Andersartigkeiten“ Raum greifen und für neue politische Probleme sorgen, traut sie der deutschen Kultur zu, im „andersartigen“ Ausland als politisches Wundpflaster wirken. Solange sie diesen Widerspruch nicht aufklärt, nennen wir sie: eine Fehlbesetzung!

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