Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

„Wir betreiben keine Gesinnungsschnüffelei“

Ein wüstes Hauen und Stechen um den neuen Vorstand lieferten sich vergangenen Samstag etwa 400 Mitglieder des Berliner Landesverbandes des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Zur Wiederwahl stand der seit 2001 amtierende Vorsitzende Alexander Kulpok (65), dem verbandsinterne Kritiker Mißwirtschaft vorwerfen. Dennoch konnte sich Kulpok auf der streckenweise höchst turbulent verlaufenden Hauptversammlung im Palais am Funkturm durchsetzen. Der frühere Leiter der ARD/ZDF-Videotext-Redaktion bekam 200 Stimmen, für seinen Gegenkandidaten Gerhard Kothy (55), Hörfunkkoordinator im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), votierten 173 Mitglieder. Zu Stellvertretern Kulpoks wurden Nicole Borkenhagen (35) und Jan Luther (37) gewählt, neuer Schatzmeister wurde Christian Spilgies (37). Als das Ergebnis der Vorsitzenden-Wahl verkündet wurde, protestierten Anhänger Kothys lautstark und warfen der Mehrheit „Manipulation“ und „Wahlbetrug“ vor. Nur das Einschreiten besonnener Mitglieder verhinderte, daß sich die Kontrahenten der verfeindeten Gruppierungen innerhalb des Berliner Landesverbandes des DJV auch noch gegenseitig an die Gurgel gegangen wären. Zu der aufgeheizten Atmosphäre beigetragen hat auch die von Kulpok-Kritikern und einigen Medien (Spiegel-Online, Berliner Tagesspiegel) vor der Wahl verbreitete Behauptung, der DJV-Berlin sei „rechtsradikal unterwandert“. Als Beispiel gilt ihnen der Gründungsvorsitzende des Verbands Junger Journalisten (VJJ), Torsten Witt. Dem inzwischen 40jährigen Witt, der früher der Berliner FDP und später dem Bund Freier Bürger angehörte (sowie Ende der 1980er Jahre eine Zeitlang im Impressum dieser Zeitung stand), werden Kontakte zur „rechten Szene“ nachgesagt. Witt, der DJV-Mitglied in Brandenburg ist, soll für den Berliner Verband gezielt junge Leute geworben und so für Alexander Kulpok die Mehrheit organisiert haben. Zu dem Vorwurf der Unterwanderung erklärte Kulpok: „Aus guten Gründen betreibt der DJV bei seinen Mitgliedern keine Gesinnungsschnüffelei.“

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