Was ist der Islam

Kaum zu glauben: In Zeiten, in denen das Wissen über die Religionen immer mehr aus dem Alltag schwindet, freuen sich viele Kirchenvertreter um so mehr über religiöse Dialoge – vor allem über den „christlich-islamischen“ Dialog. Meist ist die Basis solcher Zusammenkünfte und Debatten ein solides Halbwissen. Mit dem Kurzlexikon „Islam von A bis Z“ versucht Adelgunde Mertensacker kurz und knapp ein etwas anderes Basiswissen zu vermitteln. Das Hauptaugenmerk richtet sie auf die Unterschiede zum Christentum – ein Aspekt, der in den öffentlichen Debatten zugunsten synkretistischer Anbiederungen von christlicher Seite meist völlig ausgeblendet wird. Sehr kritisch geht Mertensacker daher mit „interreligiösen Gebetsveranstaltungen“ ins Gericht. Diese seien „eine Beleidigung Gottes und Verrat an Jesus Christus“. Auch das allgemein verbreitete Vorurteil, die Gestalt Jesu Christi sei eine Gemeinsamkeit von Islam und Christentum, wird im Lexikon entkräftet. Denn nach muslimischen Verständnis ist Jesus weder am Kreuz gestorben noch von den Toten auferstanden, was wiederum die zentrale Botschaft des Neuen Testaments ist. In weiteren Kapiteln befaßt Mertensacker sich beispielsweise mit der Moschee, dem Begriff des Paradieses, dem Schächten und dem Muezzin-Ruf. Auch dem weitgehend unbekannten italienischen Kapuzinermönch Marco d’Aviano widmet das Lexikon einen Abschnitt. Der ritt als päpstlicher Legat an der Spitze des christlichen Heeres während der Türkenkriege im 17. Jahrhundert und befreite Budapest und Belgrad von den Osmanen. „Ein Mönch hat mit hocherhobenem Kreuz in der Hand unsere Heere so in Angst und Schrecken versetzt, daß ganze Regimenter die Flucht ergriffen“, zitiert das Lexikon einen muslimischen Chronisten jener Tage. Und schon ist man bei den Defiziten des Lexikons, denn leider arbeitet Mertensacker, wenn sie nicht aus der Bibel oder dem Koran zitiert, weitgehend ohne Quellennachweise. Auch wirken ihre Ausführungen stellenweise übertrieben – etwa wenn sie darauf hinweist, daß selbst der Besuch eines Döner-Kebab-Imbiß der Teilnahme an einem „heidnischen Opfermahl“ gleichkäme. Die Tragik ist, daß wegen solch lächerlich klingender Passagen das eigentlich sehr informative Buch insgesamt leidet. Dies ist vor allem deshalb schade, weil es für ein solch kritisches Lexikon allerhöchste Zeit ist. Foto: Adelgunde Mertensacker: Islam von A bis Z – Ein Kurzlexikon. CM-Verlag, Wadersloh 2004, 72 Seiten, 3 Euro

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