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Trauer braucht einen Ort

Die deutschen Bestattungsunternehmer machen sich Sorgen wegen der wachsenden Nachfrage nach anonymen Bestattungen. Diese Entwicklung sei ein Zeichen dafür, „daß wir uns über den Trauerprozeß zu wenig Gedanken machen“, sagte der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB), Rolf Lichtner, in einem Interview mit der in Hamm ansässigen katholischen Zeitung Neue Bildpost. Die anonyme Bestattung nehme Hinterbliebenen den für eine Trauerbewältigung notwendigen Ort der Trauer. Auch eine Aufhebung des Friedhofzwangs für Urnen, wie sie in der Diskussion um eine Liberalisierung des Bestattungswesens immer wieder gefordert wird, lehnte Lichtner ab: „Wir als Bestatter sehen eine solche Privatisierung von Urnen kritisch.“ Denn sie schließe andere Menschen, die keinen Zugang ins Private hätten, etwa Freunde und Bekannte, von der Trauer aus. Lichtner erinnerte in diesem Zusammenhang an die Pflicht des Gesetzgebers, Vorkehrungen für eine würdige und pietätvolle Bestattung zu treffen: „Er muß dafür sorgen, daß die Bestattung nicht zur beliebigen Veranstaltung wird.“ Der Verband deutscher Bestattungsunternehmen schätzt, daß von den rund 840.000 Beisetzungen jährlich inzwischen etwa zwanzig Prozent anonyme Urnenbestattungen sind. Sie sind meist halb so teuer wie die Beisetzung in einem individuellen Grab. Wie auf der EKD-Synode in Magdeburg bekannt wurde, werden nur noch gut zwei Drittel aller evangelischen Verstorbenen kirchlich bestattet. Foto: Krematorium: Urnengräber werden bald außer Gebrauch geraten

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