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Geschichte zum Mitfühlen

Was sich 2003 mit den großen Kino-Erfolgen von „Good Bye, Lenin“ und „Das Wunder von Bern“ ankündigte, ist in diesem Jahr mit „Der Untergang“ spektakulär bestätigt worden und wird sich zumindest in den ersten Monaten 2005 fortsetzen: Der deutsche Film hat seine Vorliebe für große nationale Stoffe und Gestalten entdeckt. Und was kaum weniger wichtig ist: Das Publikum strömt in großer Zahl vor die Leinwände, um zu sehen, wie deutsche Fußballer 1954 sensationell Weltmeister wurden oder wie Hitler und das Reich im Bunker unter dem umkämpften Berlin 1945 untergingen. Und im Januar 2005 wird in recht unverkrampfter Weise in dem Film „Napola“ das Leben in einer der nationalsozialistischen Elite-Bildungsanstalten geschildert, bevor im Februar 2005 die letzten Tage der von der NS-Justiz hingerichteten Münchner Studentin Sophie Scholl die Zuschauer zu Tränen rühren werden. Eine Nation, die endlich beginnt, des penetranten antifaschistischen und multikulturalistischen Dauerbombardements müde, ja überdrüssig zu werden, braucht solche Filme und begegnet zumindest auf den Leinwänden jenen Gestalten und Helden, ohne die auch die von der Geschichte gebeutelten Deutschen auf die Dauer nicht auskommen können und wollen. Es ist wohl einstweilen unvermeidlich, daß in allen Filmen, die sich den großen nationalen Stoffen und Mythen widmen, politisch korrekte Absicherungen vorgenommen werden: So sind in dem am 13. Januar in die Kinos kommenden „Napola – Elite für den Führer“ (Regie: Dennis Gansel) noch etliche unheilbar fanatisierte Nazis zu besichtigen. Doch der junge Held (gespielt von Max Riemelt) der fiktiven Handlung, die im Kriegswendejahr 1942 angesiedelt ist, gerät in dem Allensteiner Internat des „Herrenvolkes“ nicht so sehr mit der NS-Ideologie in Konflikt, sondern mit unmenschlichen Erziehungsmethoden und dem Freitod eines sensiblen Klassenkameraden. Nachdem das Melodram Ende Oktober zur Eröffnung der 38. Internationalen Hofer Filmtage gezeigt worden war, sprach Spiegel-Online von einem „frisch-fröhlichen Abenteuerfilm“ und lobte Regisseur Gansel („Mädchen, Mädchen“) für sein „Provokationsspiel“, bei dem er dann noch „in politisch tadelloser Manier die Kurve“ kriegt. In „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ hört die Titelheldin zu Beginn sichtlich angetan Swingmusik im sogenannten Feindsender. Doch was sie dann tut und bis zu ihrem Tod unter dem Fallbeil erleidet, ist aus zutiefst patriotischer Sorge um Deutschland und seine Zukunft in der Welt motiviert, nicht aus der Sehnsucht nach Glenn Miller. Bevor sie tapfer und gefaßt ihren letzten Gang antritt, wird auch klar, welch tiefgehende Verwurzelung im christlichen Glauben ihr die Kraft zum Tun und zum Martyrium verleiht. Nicht weniger bemerkenswert als die von Julia Jentsch herausragend verkörperte Figur der Sophie Scholl ist die filmische Betrachtung ihres Gegenspielers, des Gestapo-Mannes Robert Mohr. Das von Marc Rothemund („Harte Jungs“) emotional bewegend inszenierte Drama zeigt keineswegs einen miesen Nazi-Bösewicht oder gar Sadisten, sondern einen von Zweifeln und Skrupeln befallenen kleinbürgerlichen Nutznießer des Regimes, wie es sie in jener Zeit wohl allzu viele gab. Der Schock von Stalingrad sitzt im Februar 1943 tief, das läßt sich an diesem Gestapo-Mann, dem Alexander Held eine unverwechselbare Gestaltung gibt, erkennen. Daß Hitler auch „menschliche Züge“ hatte, auf einer Napola nicht nur blonde Jungbestien versammelt waren und selbst ein harter Gestapo-Vernehmungsspezialist Sympathien für eine Heldin des Widerstandes entwickeln konnte – das mag alles gar nicht so verwunderlich und eigentlich nur für unverbesserliche Vergangenheitsbewältiger empörend sein. Aber in Anbetracht der „Antifa“-Dominanz, die noch immer dieses Land im ideologischen Schwitzkasten hält, ist das nicht wenig und signalisieren die erwähnten Filme einen erfreulichen Klimawechsel. Auch die einheimischen Gralshüter der politischen Korrektheit können nur schwerlich übersehen, daß diese sich so mutig gegen die allgemein verbreitete Angst, Willfährigkeit, Resignation und Opportunismus stellende Sophie Scholl (wie auch ihre Mitstreiter von der „Weißen Rose“) sich unter heutigen Umständen ganz gewiß nicht in den Reihen der linksliberalen Zeitgeist-Knechte befinden würde. Die letzte so unheimliche Botschaft der Stauffenbergs und Scholls ist doch gerade: Es gibt Menschen, denen Freiheit, Ehre und Vaterlandsliebe sogar der Verlust des eigenen Lebens wert sind. Wenn diese Botschaft nun in Fernseh- wie Kinofilmen in massenwirk-samer Weise transportiert wird, dann wird das mittel- und langfristig für das Aufkommen eines deutschen Patriotismus weit wichtiger sein als parteitaktisch motivierte, also wertlose Beschwörungsformeln von Angela Merkel und Edmund Stoiber. Geistige Epochenwenden kündigen sich vor allem in kulturellen und künstlerischen Akzentverschiebungen an. Fernsehen und Kino sind aber nun einmal die bevorzugten Orte der Massenkultur und der Kunst für die Massen. Wenn am Ende des Films „Sophie Scholl“ nicht wohlfeile Empörung über das verbrecherische NS-Terrorsystem vorherrscht, sondern das Kino um eine Märtyrerin der deutschen Geschichte weint, können nur unverbesserliche Neo-Nationalsozialisten wie auch in chronischer Selbstverachtung gefangene Deutschlandhasser leugnen, wie sehr gerade diese spontane Gefühlsreaktion das Verhältnis zum eigenen Land emotionalisiert. Es darf durchaus bezweifelt werden, ob Regisseur Rothemund und sein Drehbuchautor Fred Breinersdorfer das so beabsichtigt haben. Und vielleicht wollte der Ex-Fußballer Sönke Wortmann mit seinem Film „Das Wunder von Bern“ nicht unbedingt einem nationalen Wiederfindungsmythos die Kinoweihe geben. Doch sowohl im Resultat wie in der Wirkung haben die Wortmanns, Eichingers und Rothemunds viel für eine patriotische Revitalisierung der Deutschen getan. Filmszene aus „Sophie Scholl“: Nach der Flugblatt-Aktion im Februar 1943 in der Münchner Universität wurde Sophie Scholl zum Tod verurteilt Der Film „Napola -Elite für den Führer“ startet am 13. Januar 2005 in den Kinos, der Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ am 24. Februar 2005.

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