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Psychologie der Massen – Erster Teil

Gewalt, Aufruhr, Krieg – wo die Leidenschaften hochkochen, da schwindet der einzelne Mensch und wird zur Masse. Wer sich zuvor als Nachbar freundlich grüßte und ansonsten ein rechtschaffendes Leben führte, fällt übereinander her und begeht mit einer Selbstverständlichkeit Dinge, die ihn vorher als abscheulichste Verbrechen empört hätten. Plündern, foltern, morden, Menschen zu Tode schinden, die ihm nie etwas getan haben – alles das kann ein Mensch in so einem Zustand tun.

Man muß ihn nur dazu ermutigen. Irgendeinen Anlaß finden, wo der Mensch seine Existenz als Einzelwesen aufgeben und sich dem Rausch der Masse hingeben kann. Denn was liegt an seiner Einzelexistenz? Sie ist schwach, klein und furchtbar unbedeutend. Dieser Mensch sehnt sich doch danach, in einer höheren Gemeinschaft aufzugehen, die ihn von seinem kümmerlichen Dasein erlöst und seinem Leben Sinn gibt. Dieses Glücksgefühl, es mag dem Ekel weichen, wenn der einzelne über das Begangene erwacht.

Wo die Leidenschaften hochkochen, da schwindet der Verstand

Doch es ist als Sehnsucht da. Es muß nur einer kommen, der diese Sehnsucht befriedigt, dieses Glücksgefühl vermittelt, dem Leben des einzelnen einen Sinn als Masse gibt. Dafür unterwirft sich der einzelne gerne, verzichtet auf Individualität und überantwortet sich auf Gedeih und Verderb der Masse. Was aber muß der einzelne opfern? Es ist diejenige Tätigkeit, wodurch er sich überhaupt erst einmal als Individualität erleben lernte, nämlich seine individuelle Denktätigkeit.

Wo die Leidenschaften hochkochen, da schwindet der Verstand. Damit die Leidenschaften hochkochen können, muß der Verstand verschwinden. Wer einen zu starken Intellekt hat, der kann sich nicht in der Masse auflösen. Der bleibt ein einzelner, beobachtet, wägt, mißt nach mit seinem individuellen Verstand. Wer einen schwachen Intellekt hat, der geht in der Masse unter, sobald sich diese zu regen beginnt. Kein klarer Gedanke, kein logisches Urteilsvermögen, nichts davon hält ihn noch auf.

Er ist ein Sklave geworden. Ein Sklave seiner Leidenschaften und damit desjenigen, der seine Leidenschaften kontrolliert. Und das ist richtig so. Denn wer nicht seinen Verstand benutzt, verzichtet damit auch auf seine Mündigkeit. Wer Sklave sein will, der soll eben Sklave sein. Das ist das Schicksal, welches er sich selbst gewählt hat. Ein möglicherweise durchaus bequemes, gemütliches Schicksal, solange sein Herr ihn nicht als Opfer bestimmt. Wer aber ist sein Herr?

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