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Fleischhauers Welt: Profitables Versehen

Um einmal kurz den Pfad der Pirinçci-Exegesen und der Kommentierung derselben, soweit sie von der anderen Feldpostnummer kommen und sich durch ihre Beißreflexe selbst entblößen, zu durchbrechen: Da gibt es ja beim Spiegel auch noch diesen Herrn Fleischhauer, der irgendwann an sich herabschaute und verdutzt feststellte, daß ihm gleichsam über Nacht ein ominöser Konservativismus gewachsen war. Seither fristet er sein Dasein als quotiertes „Na na na, das kann man aber auch mal von der anderen Seite betrachten“-Feigenblatt der Hamburger Meinungsbildner.

Daß „uns’“ Jan bereits bereitwilligst in das Gejaule um „Deutschland von Sinnen“ eingestimmt hat, braucht hier nicht weiter berücksichtigt werden. Interessanter für einen kleinen Lese-Exkurs ist seine jüngste Kolumne, in der er „den Deutschen“ angesichts ihrer nicht nur derzeitigen Stellung zu Wladimir Putin die vielbeschworene „Sehnsucht nach dem starken Mann“ attestiert. Klar, so was kann ja auch nur aus den finsteren Höhlen des Irrationalismus und der eigenen Komplexe entspringen, ganz was Neues. Nun wäre es allzu naheliegend, angesichts der Herleitung einer solchen Faszination „[n]icht trotz, sondern wegen der Erziehung zu Pazifismus, Geschlechtersensibilität und fortwährender Antidiskriminierung“ in die übliche „Endlich sagt’s mal einer!“-Haltung zu verfallen und sich mit verschränkten Armen zurückzulehnen, dabei flüsternd: „Wenn andere schreiben, was ich denke, kann ich ja so falsch nicht liegen.“

Man muß schon etwas genauer hinsehen: Wäre Fleischhauer nicht Fleischhauer und seine Funktion nicht die der öffentlichkeitswirksamen SpOn-Binnenpluralismus-Monade, käme sein Text tatsächlich einer teilweisen Selbstentblößung gleich. „Entsprechend groß ist die Erschütterung in den Leitetagen der Presseorgane, die ihre Leser eigentlich als verständige Zeitgenossen kennen“ – als Konsumenten eben, die über’s Stöckchen zu hüpfen wissen, wenn der Leitartikler schnippt.

Von der Realität eins übergebraten?

Und was wurde da in den letzten Wochen und Monaten nicht für ein Trommelfeuer veranstaltet: „Wer stoppt Putin?“, „Wer stoppt den Zerstörer Putin?“, „Wer stoppt Rußland?“, rauf und runter, kreuz und quer. Daß alles das nicht verfangen hat und sich all die vielen offenen Fragen rund um das „#euromaidan“-Geschehen (eine Bezeichnung, die schon Anmaßung genug ist!), von denen die ungeklärte Identität der Scharfschützen nur die brennendste ist, nicht einfach in eine Zelebration des gesunden Bundesbürgerverstandes zugunsten der EU – und somit mittelbar der Nato – verflüchtigt haben, das dürfte in so mancher Redaktion allerdings wirklich unverständlich sein. Gerade vor dem Hintergrund, daß es so lange bestens funktioniert hat; Stichwort: „arabischer Frühling“.

An der Uni bekommt man früh beigebracht, daß man, um nicht unnötig viel Zeit zu verlieren, bei der Auswahl von Lektüre zunächst Einleitung und Fazit konsultieren sollte. Gegebenenfalls erkennt man daran recht schnell, ob man sich all die vielen Seiten dazwischen nicht doch schenken kann. Fleischhauers Textlein steht mustergültig für den Nutzen dieser Vorgehensweise: Im Abschluß, wo es auf einmal um die „einfache Frage“ nach der Präferenz wahlweise amerikanischer oder russischer „Protektion“ geht, ist alles enthalten. Daß sich diese Kolumne an solche richtet, die beim Verweis auf das Blockdenken des Kalten Krieges (damals, als es noch einfacher war, dem Leser die Welt zu erklären…) zusammenzucken. Die gleichzeitig diejenigen sind, die qua Alter über denjenigen mit „Hilfe“ der USA „organisierten“ Wohlstand verfügen, an dem – mal wieder – der Autor seine widerspenstige Leserschaft zu packen versucht. Daß, und so zieht es sich fort durch den hiesigen Blätterwald, die Welt und vor allem Europa innerhalb von 25 Jahren so komplex geworden ist, daß die (be)schreibende Zunft schlicht nicht hinterherkommt, obgleich sie diese Entwicklung aufgrund all der vielen „Freiheit“ natürlich eifrig beklatscht.

Erschwerend kommt natürlich hinzu, daß sie auch in den obersten Etagen nie gelernt hat, geopolitisch zu denken. Klar, daß da sofort wieder die alten Klamotten „Nationalismus“ und „Blut und Boden“ aus der argumentatorischen Mottenkiste geholt werden. Eigentlich braucht man die Fähigkeit zum Denken in Großräumen ja auch nicht, solange die eigene Regierung sich darauf beschränkt, politische Schrebergartenpflege zu betreiben und beim Blick über den Zaun höchstens einmal voller Gram den Kopf schüttelt. Gelegentlich bekommt man dann aber eben von der Realität eins übergebraten, da bildet auch Herr Fleischhauer, der „aus Versehen“ „konservativ“ wurde, keine Ausnahme. Bloß gut, daß der Spiegel (vielleicht aufgrund des AGG?) auch für so jemanden ein Scherflein bereithält.

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