Die Psychologie der Massen – Zweiter Teil

Der Herr ist derjenige, der nicht von seinen Leidenschaften kontrolliert wird, der sich von ihnen ganz frei machen kann, daß sie ihm etwas Äußerliches werden. In diesen inneren Leerraum entwickelt sich nun ungestört sein Intellekt. Dieser Intellekt, er wird so stark, daß er jedes Erleben erstickt, welches über den einzelnen hinausgeht. Anstand, Moral, Liebe – alle Dinge, die über seiner eigenen Existenz stehen, werden zu bloßen Schattenwörtern; überstrahlt von einem alles durchdringenden, zersetzenden Egoismus.

Der Sklave also, er hat sein Dasein als individueller Mensch zugunsten der Masse eingetauscht, die ihn trägt. Der Herr aber, er hat sein individuelles Dasein als Mensch aufgegeben, damit die Masse seinen grenzenlosen Egoismus befriedigen kann. Sein überragender Intellekt läßt ihn mit den menschlichen Leidenschaften spielen, sie dort anfachen, hier dämpfen; einzelne, Gruppen, ganze Völker je nach Bedarf in wilde Raserei oder tiefe Lethargie stürzen.

Der Sklave und sein Herr

Der Sklave ist daher unter dem Bereich gerutscht, der für den Menschen eigentlich noch vorgesehen ist. Denn er benutzt nicht seinen individuellen Verstand, obwohl ihm dieser gegeben wurde. Stattdessen hat er sich der Masse überantwortet, die ihn zu einem tierähnlichen Wesen macht. Mal ist das Tier zurückhaltend, geradezu zahm, ein anderes Mal aber springt es heraus und verschlingt mit wildem Haß Mensch, Haus und Hof. Der einzelne ist also ins Untermenschliche gedrückt.

Sein Herr aber hat sich zu einem Bereich empor erhoben, der eigentlich nicht mehr für den Menschen vorgesehen ist. Denn er lenkt die Schicksale ganzer Völker gleichwie ein Gott, ohne aber deren Einzelschicksale irgendeinen individuellen Zweck beimessen zu können. Denn er gibt sich ganz seinem Egoismus hin, der ihn zu einem tierähnlichen Wesen macht. Mal ist das Tier zurückhaltend, geradezu zahm, ein anderes Mal aber springt es heraus und verschlingt mit wildem Haß Mensch, Land und Volk.

Es gibt also eine klare, eindeutige und einsichtige Distinktion der Menschheit. Die große Zahl derjenigen, die nach unten herausfallen, die ihren individuellen Verstand nicht gebrauchen und deren Schicksal es daher ist, Sklaven zu sein. Und die kleine Zahl derjenigen, die über die Menschheit aufsteigen wollen und sich dafür Massen an Sklaven heranzüchten. Das geschieht, indem allerlei Leidenschaften entfacht und gelenkt werden. Diese werden nun an bestimmte Maßnahmen verknüpft.

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