Von Tod und Wiederauferstehung

Viele stellen sich die Frage, was kann uns das Christentum heute noch bringen und beantworten sich diese ein jeder auf seine Weise. Der eine sagt, es muß sich mehr den heutigen Gegebenheiten anpassen um den Menschen noch etwas sagen zu können. Der andere sagt, es solle den Menschen verlässlichen Halt bieten in einer unübersichtlich gewordenen Welt. Doch in beiden Fällen geht man eigentlich von einer ähnlichen Vorstellung aus.

Ein geistiger Impuls, er ist in die Menschheit eingeschlagen, er hat eine gewisse Wirkung erzeugt. Neue geistige Impulse schlagen ein, überlagern sich, verändern, verdrängen das Vorhergehende. So entwickelt sich die Menschheit weiter. Und bei jeder Beziehung zwischen diesen Impulsen können wir mal das zeitlich Nachfolgende, mal das zeitlich Vorangehende betonen. Dann mag man sich einmal als progressiv, einmal als konservativ bezeichnen. Das gilt für jeden geistigen Impuls, mit einer Ausnahme.

Das Christentum, äußerlich betrachtet, scheint dieser gleichen Gesetzmäßigkeit unterworfen zu sein. Es gab einen großen, gewaltigen Impuls zur Zeitenwende. Dieser entfaltete sich, trat mit vorhergehenden geistigen Impulsen in Wechselwirkung. Dann traten andere Impulse auf, veränderten, verdrängten diesen einen, großen Impuls in einer Entwicklung, die heute als Säkularisierung oder Verweltlichung bekannt ist. Zu dieser kann man sich dann einmal progressiv, einmal konservativ stellen.

Nicht das Eigentliche des Christentums

Doch das ist noch nicht das Eigentliche des Christentums, wie es auch nicht das Eigentliche Christi ist. Gewiss, rein äußerlich betrachtet, verhält es sich so. Ebenso, wie rein äußerlich betrachtet, da ein Mensch eine gewisse Zeit gelebt, gewisse Dinge getan, eine gewisse Wirkung erzielt hat und dann starb. Bis dahin kann man sagen, ist es rein äußerlich betrachtet, durchaus ein Impuls, wie es unzählige Male vor ihm schon welche gab und unzählige Male nach ihm noch geben wird.

Aber durch Tod und Wiederauferstehung Christi unterscheidet sich dieser geistige Impuls von allem anderen, was in die Menschheitsentwicklung eingreift. Denn alles andere wirkt rein äußerlich betrachtet nur bis zum Tod. Ist ein großer Lehrer verstorben und sein Impuls dem dahinziehenden Strom der Menschheit überantwortet, so drückt, verändert, verzerrt die Zeit diesen Impuls, bis er irgendwann seinem Schöpfer ins Grab gefolgt ist. Nicht aber das Christentum.

Wer heute glaubt, das Christentum ist an sein Ende gelangt, der weiß nichts von dessen geistiger Natur. Rein äußerlich betrachtet mag es so erscheinen, als wenn es sich im Niedergang befindet. Aber rein äußerlich betrachtet schien es auch so, daß Christus an sein Ende angelangt sei, als sein Leichnam ins Grab gesenkt wurde. Doch sein Grab ist leer. Er war tot und ist wiederauferstanden. Seine Kirche, sie mag äußerlich betrachtet nun auch ins Grab gesenkt und zerstreut werden. Doch sie wird nicht vergehen.

Seine Kirche, sie wird nicht vergehen, sie wird auferstehen. Denn wer ihm folgt, der hat das ewige Leben. Sie wird auferstehen, damit erfüllt werde, was geschrieben steht: „Seht, ich mache alles neu.“

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