Neue Phase im Kampf um das Lebensrecht

Zweifelsohne war die Nachricht über die geplante Einführung der Euthanasie für kranke Säuglinge in den Niederlanden schockierend und empörend. Die Einführung der Säuglings-Euthanasie öffnet eine völlig neue Phase im Kampf für das Lebensrecht. Nun soll es möglich sein, geborene Menschen ohne ihre Einwilligung zu töten.

Die Tötung von Säuglingen ist keine Erfindung der modernen Zeit. Sie wurde in heidnischen Völkern praktiziert. Erst das Christentum hat durch einen Bewußtseinswandel diese unmenschliche, ungerechte und grausame Praxis (wie auch die Abtreibung) beendet.

Die Einführung der Euthanasie für Säuglinge dokumentiert somit nicht nur den geringeren Einfluß des Christentums in unserer Zeit, sondern auch, wohin unsere Gesellschaften aufgrund des schwindenden Einflusses des Christentums steuern: Sie fallen zurück in Barbarei und Heidentum.

Die Selektion geht weiter

Diese Nachricht – so erschreckend sie auch ist – kam dennoch nicht ganz unerwartet. Wie der Autor vor vier Wochen an dieser Stelle beschrieb, errechnet die Pränataldiagnostik, also die medizinische Untersuchung der Kinder im Mutterleib, eine Wahrscheinlichkeit über das Vorhandensein von genetischen oder sonstigen Krankheiten. In der Praxis geht es vor allem darum festzustellen, ob Trisomie 13, 18 oder 21 (Down Syndrom) vorliegen, also die folgenreichsten genetischen Abweichungen. Etwa 90 Prozent der Kinder mit Down Syndrom werden nach einer solchen Untersuchung abgetrieben. In der Regel ist eine Abtreibung die klare Perspektive bei einer vorgeburtlichen Diagnose, denn nur in einem verschwindend geringen Anteil der Fälle sind irgendwelche Eingriffe oder Therapien überhaupt möglich. Intention ist also bei der Pränataldiagnostik und bei den Gentests eindeutig die Selektion von Menschen mit Behinderungen.

Es ist wichtig zu wissen, daß die unterschiedlichen Verfahren der Pränataldiagnostik nur eine Wahrscheinlichkeit über das Vorhandensein von Krankheiten liefern können und keine absolute Sicherheit. Dadurch werden auch gesunde Kinder getötet (und kranke überleben).

Da viele dieser Abtreibungen ohnehin sehr spät erfolgen – deshalb werden sie Spätabtreibungen genannt – hat man sich wohl gesagt: Eigentlich wäre es besser, auf natürliche Weise das Kind zur Welt kommen zu lassen, um es erst dann zu töten, falls es krank ist. Dann hätte man Sicherheit über die Gesundheit des Kindes, und die Ärzte würden Haftungsrisiken vermeiden.

Auch in Deutschland sind die Voraussetzungen gegeben

Diese Überlegung ist keinesfalls neu. Im Fachmagazin Journal of Medical Ethics argumentierten zwei in Melbourne, Australien, tätige Akademiker – lberto Giubilini und Francesca Minerva –, daß aus logischer Sicht erlaubt werden müsse, Neugeborene zu töten, deren körperlicher oder geistiger Gesundheitszustand rechtlich eine Abtreibung rechtfertigt. Dieser wissenschaftliche Beitrag über die moralische Bewertung von Kindesmord im Vergleich zu Abtreibung sorgte in der Welt für Empörung. Die beiden setzten den „moralischen Status“ von Babys und dem eines Fötus gleich. Beiden fehlten jene Fähigkeiten, die die Zuerkennung eines Rechtes auf Leben rechtfertigen, so Giubilini und Minerva.

Wir dürfen uns nicht damit begnügen, uns über die Lage in den Niederlanden Sorgen zu machen, denn in Deutschland sind die Voraussetzungen für die Euthanasie an Säuglingen auch schon gesetzt.

Bei der Novellierung des Paragraphen 218 StGB Anfang der 90er Jahre wurde die sogenannte „Eugenische Indikation“ unter dem Namen „embryopathische Indikation“ (§ 218a StGB) eingeführt. Diese erlaubt Abtreibungen bis unmittelbar vor der Geburt im Falle der gesundheitlichen Gefährdung der Mutter. Das ist aber reine Theorie. In der Praxis gilt schon das Risiko (Gentests und Pränataldiagnostik ergeben ja keine 100ige Sicherheit) eines schwer behinderten Kindes als eine dermaßen große psychische Belastung für die Mutter, daß einer Abtreibung nichts im Wege steht. Die „Eugenische Indikation“ ist wiederum die rechtliche Voraussetzung für die große Entfaltung von Pränataldiagnostik und Gentests. Die pränatale Medizin ist gegenwärtig ein stark wachsendes Wirtschaftssegment.

Keine Kompromisse

Auch in Deutschland wird man sich fragen: Wieso soll man die unsicheren, sehr teuren und vor allem für die Mutter äußerst belastenden Tests durchführen? Wenn man das Kind sowieso eine Minute vor der natürlichen Geburt töten kann, wieso nicht ein paar Minuten nach der Geburt, wenn wir genau die Gesundheit des Kindes kennen?

Hier wird klar: Die Legalisierung der Abtreibung war ein Dammbruch, der uns von einer moralischen Katastrophe zur anderen führt. Kompromißlösungen halten die Entwicklung nicht auf. Hinsichtlich des Lebens muß gelten, was das Christentum von Anfang an gelehrt hat: Keine Kompromisse! Das komplette Verbot der Abtreibung muß das Ziel des Kampfes für das Lebensrecht bleiben.

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