Über Einzel- und Gruppenwesen – Erster Teil

Unser gewöhnliches Denken braucht immer etwas Sinnliches, immer einen Einzelnen als Träger von Intelligenz. Der einzelne Mensch, der einzelne Hund, damit kann es umgehen. Sobald uns aber der Träger als Vielheit entgegentritt, wird es uns schwierig, ihn noch als Einheit begreifen zu können. Selbst bei einem so entwickelten und geschlossen auftretenden Gruppenwesen wie dem Ameisenstaat.

Wir müssen aber unser Denken gewöhnen, damit umzugehen. Denn es ist nur unser Vorurteil, wenn wir uns als bloße Einzelwesen betrachten, die irgendwie miteinander zusammenhängen. In Wirklichkeit sind wir auch Teile von Gruppenwesen, echten lebendigen Wesen, die zu erkennen die meisten Menschen nur nicht in der Lage sind, die es aber dennoch gibt, ob wir nun an sie glauben oder nicht.

Ist das vielleicht nicht eine etwas überspannte Behauptung? Wie kann das sein, daß wir mit Gruppenwesen zusammenhängen, aber uns in unserem gewöhnlichen Bewußtsein doch nur als Einzelwesen empfinden? Betrachten wir einmal das Verhältnis näher von dem, was wir als Intelligenz des einzelnen und der Gruppe ausgemacht haben. Schauen wir noch einmal auf unseren Hund.

Zwei Wesen ineinander geschoben

Wie gesagt, der Hund besitzt unter den Tieren ein beachtliches Maß an Intelligenz, wenn wir ihn als Einzelwesen betrachten. Daneben ist der Hund aber auch unverkennbar ein Gruppenwesen. Das Rudel ist in seiner sinnlichen Entäußerung zwar verborgener, weniger auffällig als ein Ameisenstaat, aber nichtsdestotrotz vorhanden. Und dieses Gruppenwesen besitzt gleichfalls Intelligenz.

In ein- und demselben Tier sehen wir also zwei unterschiedliche Wesen mit zwei unterschiedlichen Intelligenzen ineinander geschoben. Auf der einen Seite die Intelligenz, die am Einzelwesen hängt und von Hund zu Hund durchaus sehr unterschiedlich ausfallen kann. Auf der anderen Seite die Intelligenz, die am Gruppenwesen hängt und den einzelnen Hund als Element in das Rudel einbindet.

Die eine Intelligenz ist dafür verantwortlich, daß der Hund ein Bewußtsein und den damit verbundenen Drang der Selbsterhaltung besitzt; natürlich nicht unser Selbstbewußtsein, aber doch eine Wahrnehmung als Einzelwesen. Wofür die andere Intelligenz verantwortlich ist, namentlich die Selbsterhaltung als Gruppenwesens, das kann entsprechend nicht Inhalt des einzelnen Bewußtseins sein.

Handlungen des Gruppenwesens sind unbewußt

Alle Handlungen daher, die durch die Intelligenz des Gruppenwesens erfolgen, bleiben daher für das Einzelbewußtsein unbewußt. Woher sie kommen, weiß es nicht, es spürt nur den Drang, sich so und so zu verhalten. Diese unbewußten Handlungen sind nun nichts anderes als dasjenige, was man für gewöhnlich Triebe oder Instinkte nennt. Es ist die Intelligenz des Gruppenwesens, die sich in ihnen offenbart.

Was Inhalt des Einzelbewußtseins ist, damit kann das Einzelwesen umgehen. Was es als Teil eines Gruppenwesens macht, daß tritt für das Einzelbewußtsein als etwas äußeres heran. Was beispielsweise der Selbsterhaltung als Gruppe dient, Paarung und Aufzucht der Jungen, für den Hund vollzieht es sich einfach als Naturgewalt, wie uns die mächtige Strömung des Wassers hierhin und dorthin treiben kann.

Wo das Gruppenbewußtsein also herrscht, da löscht es notwendig das Einzelbewußtsein aus. Der Rüde, der als Einzelwesen eben noch ein so verständiges Tier war, vom Trieb ergriffen reißt es ihn los, blind und taub allen menschlichen Befehlen ist er in diesem Moment nur ein bloßes Element, das vom Gruppenwesen zu seiner Bestimmung geführt wird. Erst vom Trieb losgelassen wird er wieder zum Einzelwesen.

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