Christmas Countdown

Denglische Weihnacht überall – für sprachempfindliche Menschen beginnt jetzt eine harte Zeit. Der Advent hat ausgedient, heute heißt er „Weihnachts-Countdown“ oder gar „Christmas Countdown“. Auf Pro Sieben etwa leuchtete schon 2010 am Ende dieses „Countdowns“ nicht etwa der Stern von Bethlehem, sondern ein „absolutes Highlight“. Damit der Konsumstreß möglichst planmäßig verläuft, hat eine Hausfrau sogar eine „Weihnachts-Countdown-Checkliste“ ins Netz gestellt.

Der ferngesteuerte Mitbürger kann sich auf sein Telefongerät die passende Anwendung herunterladen: „Die Gratis-App ‚Weihnachten Countdown‘ für’s iPhone, iPod touch und iPad sagt Ihnen, wie viel Zeit noch vergehen muss, bis Weihnachten ist“, erfahren wir bei Chip online. „Darüber hinaus hat ‚Weihnachten Countdown‘ ein virtuelles Klavier an Bord“, mit dem der Nutzer bis zu sechs Weihnachtslieder einüben kann.

„Besinnungscountdown“

Im katholischen Köln wurde bereits am 26. November der „offizielle Weihnachts-Countdown“ eingeläutet. Die „KölnTourismus GmbH“ freut sich über dieses „besondere Highlight“. Es öffnet nämlich die „Christmas Avenue“, der erste „schwul-lesbische Weihnachtsmarkt“, ihre Pforten – durch und durch amerikanisiert.

Im Hamburger Abendblatt macht sich Andreas Burgmayer über den „Besinnungscountdown bis Heiligabend“ Gedanken. Selbst die Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei warnen: „Der Countdown bis Weihnachten läuft. Machen Sie Ganoven keine Geschenke!“

Santa Claus ist unerwünscht

Auch aus Oberösterreich knallt uns der „Countdown“ um die Ohren: „Der Startschuß für den Weihnachtscountdown ist gefallen!“ melden die „Wels Marketing & Touristik GmbH“ und die „Welser Christkind GmbH“ aus Oberösterreich. Doch obwohl wir erst zusammenzuckten, überrascht uns erfreulicherweise die beruhigende Nachricht: „Santa Claus ist in Wels nicht erwünscht. … In allen öffentlichen Bereichen wird kein Weihnachtsmann zu sehen sein“.

In einem Park bietet die „Christkind GmbH“ sogar die Möglichkeit an, „sich von amerikanischem Kitsch und Weihnachts-Ramsch zu befreien“. Sie hat eine Tonne aufgestellt, in der „Santa Claus, Rentiere, Kitsch & Co gerne entsorgt werden“ dürfen. Also, auf nach Wels! Den „Countdown“ werfen wir dort auch gleich in die Tonne und holen den Advent wieder raus.

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