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Das wollen wir genau wissen

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Das wollen wir genau wissen

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Guido Knopp war einmal mehr ziemlich zufrieden: Nur noch zwölf Prozent der befragten Deutschen hatten jüngst die Stirn, auf die Frage nach der Mitschuld aller Deutschen am Holocaust mit „nicht schuldig“ zu antworten. Ein etwa gleicher Teil zog es vor, keine Meinung zu haben und der Rest entschied sich für eine mehr oder weniger große Mitverantwortung.

Knopp verkündete dies letzte Woche am Ende einer Sendung über „Davon haben wir nichts gewußt“ – die Deutschen und der Holocaust. Der ZDF-Chefhistoriker kündigte zugleich weitere Aufklärung an, um auch die letzten zwölf Prozent noch zu erreichen. Angesichts mancher Produkte aus dem Hause Knopp könnte man das als Drohung verstehen, die erwähnte Sendung allerdings wies erfreuliche Zwischentöne auf.

Assoziative Auswahl von Bildern

Natürlich sollte irgendwie der Eindruck erweckt werden, so gut wie alle Deutschen hätten so gut wie alles über den Holocaust gewußt. Dazu wurden die neuerdings üblichen Farbbilder aus dem Dritten Reich bemüht, deren langfristige Folgen für das Geschichtsbild einmal eine interessante Studie wert sein werden. Wie stets, fand der Nationalsozialismus im Film dabei weitgehend im politisch luftleeren Raum statt, fast abseits aller internationalen Reaktionen und Aktionen.

Auch waren Parteitagsszenen aus den dreißiger Jahren mit Kommentaren zum Geschehen in den Vierzigern unterlegt und wurden marschierende Wehrmachtssoldaten assoziativ mit Verbrechen in Verbindung gebracht. Doch wurden die als Experten befragten Geschichtsprofessoren Longerich und Neitzel zugleich um Auskunft zu einer ganzen Reihe präzise umrissener Punkte gebeten und gaben eindeutige Antworten – die sogar gesendet wurden:

Tür zur wirklichen Aufklärung nicht zugeschlagen

Ging der Antisemitismus vom deutschen Volk aus? Nein. Hat sich die Bevölkerung an Pogromen beteiligt? Nein. Sah man die Judenverfolgung und Diskriminierung überwiegend mit Widerwillen? Ja. Konnte man nach dem damaligen Sprachgebrauch im Volk davon ausgehen, daß die öffentlich gebrauchte Floskel von der „Ausrottung des Judentums“ auf eine Massentötung hinauslief? Nein. Wäre es – eine entsprechende Informationslage einmal vorausgesetzt – möglich gewesen, Verfolgung und Tötung durch bürgerlichen Ungehorsam gegen das Regime zu stoppen? Nein.

Diese und andere Punkte sind der Erwähnung wert und lassen hoffen, daß die Tür zu einer wirklichen Aufklärung doch noch nicht zugeschlagen ist. Denn die Deutschen sind zweifellos bereit, es genau wissen zu wollen, wenn man ihnen die Chance gibt.

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