Meine Berufungsgeschichte

Oftmals werde ich gefragt, wie es dazu kam, daß ich Priester geworden bin. Heute möchte ich an dieser Stelle die Geschichte meiner Berufung erzählen. Sie soll ein Beitrag zum „Jahr des Priesters“ sein und den Lesern meiner Kolumne zeigen, mit wem sie es hier zu tun haben. Da Berufungs- oder Bekehrungsgeschichten einen stark appellativen Charakter haben, steht diese Geschichte gezielt am Beginn der Fastenzeit, die uns dazu aufruft, bewußter aus dem Glauben zu leben.

Aufgewachsen bin ich in einer klassisch katholischen Familie, in der Gebet und Kirchgang eine Selbstverständlichkeit waren. Ich übte den Ministrantendienst aus, der mir viel Freude machte und in mir die Liebe zur Kirche immer stärker entfachte. Als ich etwa 14 Jahre alt war, begann man in unserer Pfarrgemeinde mit christlicher Jugendarbeit. Ich engagierte mich bei Jugendfreizeiten und in der Jugendgruppe, wo ich bald auch Gruppenleiter wurde. Im Gottesdienst versah ich den Lektorendienst.

Vorbildliche Priester

Mehrfach besuchte ich auch religiöse Jugend-Wochenenden. Als ich als 17jähriger an einem Wochenende zum Thema „Frieden“ teilnahm, erzählte man uns, die einzig wählbare Partei seien die Grünen. Dieses Wochenende markierte eine radikale Wende in meinem Leben. Von da an habe ich nie wieder ein religiöses Wochenende besucht. Auch habe ich in meinem bisherigen Leben die unterschiedlichsten politischen Parteien gewählt, aber nie die Grünen.

Meine geistige Heimat fand ich sehr bald in einer Nachbargemeinde, in der eine traditionelle Frömmigkeit gepflegt wurde. Dort war eine große Liebe zur Kirche, zu Maria und zum Herrn Jesus Christus im allerheiligsten Altarsakrament zu spüren. Die eucharistische Anbetung, die dort sehr stark gepflegt wurde, versuche ich auch heute in meinen Pfarrgemeinden zu intensivieren. Aus Liebe zu Christus und seiner Kirche habe ich mich entschieden, Priester zu werden. Auch einige vorbildliche Priester haben mich zu diesem Schritt ermutigt.

Doch als ich ins Priesterseminar eintrat, traf mich der nächste Schock. Nie zuvor hätte ich geglaubt, welch antikirchlichen Geist, welchen Haß auf den Papst und die kirchliche Tradition ich dort antreffen würde. Sehr bald wurden die Diskrepanzen offensichtlich und mein Austritt stand fest. Weiterhin hatte ich das Ziel Priester zu werden, wusste nur nicht in welcher Diözese oder in welcher geistlichen Gemeinschaft.

Konservative Professoren

Nach der Hälfte des Studiums richtete ich mir eine Bedenkzeit ein und leistete den Zivildienst: 20 Monate in der Krankenpflege. In dieser Zeit wurde ich mir klar darüber, daß ich zum Priester berufen bin. Als ich das Theologiestudium wieder aufnahm, ging ich nach Augsburg, wo damals sehr viele konservative Professoren dozierten. Ich lernte auch den bayerischen Katholizismus schätzen, in dem noch viele Frömmigkeitsformen weiterlebten, die man woanders nicht kannte. Sehr bald trat ich in das dortige Priesterseminar ein, das in ganz Deutschland als das strengste galt.

Am 25. Juni 1995 bin ich dann im Augsburger Dom zum Priester geweiht worden. Ehrlichen Herzens kann ich sagen, daß ich diesen Schritt seither keinen Tag bereut habe. Durch die Schwierigkeiten, die ich erlebt habe, ist meine Liebe zu Christus und seiner Kirche nur noch gewachsen. Schließlich erkenne ich in allen Ereignissen meines Lebens seine führende Hand.

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