Wahrheit und Liebe gehören zusammen

Ich gebe es zu: Die Ankündigung der neuen Sozialenzyklika vor einigen Monaten habe ich nur sehr flüchtig gelesen. So habe ich mir dann den falschen Titel eingeprägt: „Veritas in caritate“ in Anlehnung an die Forderung des heiligen Paulus, stets die Wahrheit in Liebe zu tun (Eph 4, 15). Doch der Titel der am vergangenen Dienstag veröffentlichten Enzyklika heißt „Caritas in veritate“ (Die Liebe in Wahrheit). Letztlich ist es aber gleich: Wahrheit und Liebe gehören zusammen. Das ist die Hauptaussage des Papstes.

Nach „Deus caritas est“ (Gott ist die Liebe) und „Spe salvi“ (Gerettet in der Hoffnung) ist dies die dritte Enzyklika von Benedikt XVI. Wie schon in seiner Antrittsenzyklika beschäftigt er sich mit dem so oft mißbrauchten Wort Liebe. Er schreibt: „Ohne Wahrheit gleitet die Liebe in Sentimentalität ab. Sie wird ein leeres Gehäuse, das man nach Belieben füllen kann. Sie wird Opfer der zufälligen Gefühle und Meinungen der einzelnen, ein Wort das mißbraucht und verzerrt wird, bis es schließlich das Gegenteil bedeutet.“

Der Papst warnt vor der Tendenz, die Wahrheit zu relativieren. Soziales Tun ist Dienst der Liebe und ebenso Dienst der Wahrheit. „Von ihrem Herrn belehrt, erforscht die Kirche die Zeichen der Zeit, deutet sie und bietet der Welt ‘ihr Ureigenstes’: eine umfassende Sicht des Menschen und der Menschheit.“ Orientierungsmaßstäbe sind hierbei die Gerechtigkeit und das Gemeinwohl.
In seinem Lehrschreiben greift der Papst auf die unter seinen Vorgängern entfaltete Soziallehre zurück.

Besonders intensiv beschäftigt er sich mit der Enzyklika „Populorum progressio“ (1967) von Papst Paul VI. Es ist Benedikt XVI. ein großes Anliegen, immer die Kontinuität der katholischen Lehre herauszustellen. Nochmals bekräftigt der Papst auch die von linker Seite so oft kritisierte Enzyklika „Humane vitae“ (1968) über den Wert des menschlichen Lebens.

Kein Herz-Jesu-Sozialismus verkündet

Er verweist auf die Wichtigkeit der Achtung vor dem Leben und bemerkt, daß die Annahme des Lebens heute mancherorts behindert wird. Empfängnisverhütung und Abtreibung tadelt er ebenso wie eine geburtenfeindliche Mentalität in den Industrienationen. Er spricht von der „Schönheit der Familie und der Ehe“ und beschreibt die wirtschaftlichen Folgen eines „beunruhigenden Geburtenrückgangs“.

Dies zeigt, daß hier kein Herz-Jesu-Sozialismus verkündet wird – auch wenn dem Papst für seine Enzyklika in den vergangenen Tagen lobende Worte sogar von seiten der Gewerkschaften zukamen. Dieses Lob erhielt er vor allem für seine Stellungnahme zur Globalisierung sowie zur Wirtschafts- und Finanzkrise. Hier warnte er vor einem Profitstreben, das nicht mehr das Allgemeinwohl im Blick hat. „Solidarität bedeutet vor allem, daß sich alle für alle verantwortlich fühlen, und daher kann sie nicht allein dem Staat übertragen werden.“

In seinem Schreiben spricht der Papst die verschiedensten Gefahren der Globalisierung an. In bezug auf die Umwelt warnt er vor einer Technisierung der Natur, aber ebenso vor einer neuheidnischen Einstellung, „die Natur für wichtiger zu halten als die menschliche Person“. Im Zusammenwachsen der Kulturen sieht er ferner die Gefahr eines religiösen Synkretismus und betont erneut die Wichtigkeit der Religionsfreiheit.

Eine große Stärke dieses Papstes ist die Definition zentraler Begriffe, die heute leicht zu Worthülsen werden und mit beliebigem Inhalt gefüllt werden können. In seiner Sozialenzyklika geht er auch auf die „Abnützung des Adjektivs ethisch“ ein. In diesem Schreiben hat er die katholische Soziallehre vor der aktuellen wirtschaftlichen Lage neu entfaltet und dargelegt, was „ethisch“ wirklich heißt. All jenen, die dieses Wort so gerne im Mund führen, sei die Lektüre von „Caritas in veritate“ empfohlen.

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