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Fußball-Weltmeisterschaft
 

Singt, wenn Ihr Deutsche seid!

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Deutschland zeigt zur WM Flagge Foto:Pixelio/Ilse Dunkel

Die Aufregung über Politikerrücktritte, Sparpakete, Rettungsschirme, Euro-Krise, Ölpest, Klimawandel war gestern. Jetzt regiert wieder König Fußball das Land, wenn am Freitag in Johannesburg um 16 Uhr das Spiel Südafrika gegen Mexiko angepfiffen wird. Pünktlich hat auch Petrus ein Einsehen und sorgt auf Fanmeilen unter freiem Himmel für sommerliches Wetter. Die Händler haben aus der WM 2006 gelernt und die Supermärkte schon seit Wochen mit einer schwarzrotgoldenen Flut an Fan-Artikeln überschwemmt.

In Deutschland muß man sich ja noch immer rechtfertigen, wenn man sich mit Stolz zum eigenen Land bekennt. 365 Tage im Jahr hat eine nationale Neurose die Germanen fest im Griff. Während jedes andere Land der Welt (193 Staaten zählen die Vereinten Nationen in New York) sich mit Freude zu seiner eigenen Kultur bekennt und die Landeskinder zum Stolz auf ihre Nation erzieht, tanzt Deutschland aus der Reihe. Deutscher Sonderweg. Es sei denn, es ist Fußball-WM. Dann darf der Deutsche ausnahmsweise von seinen Eliten ungescholten sein Land feiern.

Besonders wer kleine Kinder hat, weiß, wie sehr es an öffentlichen Gelegenheiten mangelt, wo das Gemeinschaftsgefühl mit Staat und Volk fröhlich erlebt werden kann. So wird weder an Schulen noch in der Öffentlichkeit der Nationalfeiertag in einer Weise begangen, die seinem Namen gerecht wird. Deutsche Politiker gebärden sich lieber unter dem Beifall der Feuilletons als Trauerklöße und tönen vom „postnationalen Zeitalter“. Dies erleichtert nebenbei den Verrat am eigenen Souverän.

Wildfremde liegen sich in den Armen

So gelingt nur dem Fußball, woran die politische Klasse versagt. In den nächsten Wochen sammeln sich Millionen Deutsche hinter ihrer Nationalmannschaft und fiebern mit. Die Kinder schminken ihre Gesichter mit den Nationalfarben, Wildfremde liegen sich in den Armen und jubeln unseren Jungs zu.

Der Fußball schafft es mit Leichtigkeit, eine wachsende Zahl von Deutschen „mit Migrationshintergrund“ symbolisch einzugemeinden. Die schwarzrotgoldene Feier wird zum Initiationsritus. Da empört es mit Recht viele Deutsche, daß ausgerechnet unter den Spielern der Fußballnationalelf „Neudeutsche“ ein schlechtes Beispiel geben und sich weigern, bei Länderspielen die Nationalhymne mitzusingen.

Es ist wiederum typisch deutsch, wenn Bundestrainer Jogi Löw, in seiner asketisch-minimalistischen Sprache und Gestik ansonsten ein Parade-Preuße, seine Spieler „wegen ihrer Herkunft“ nicht zum Singen des Deutschlandliedes „zwingen“ will. Falsch! Vielmehr ist es eine außergewöhnliche Ehre, deutscher Nationalspieler zu sein und die Hymne singen zu dürfen.

Doch Löw ist mit seinem Laissez-faire in diesem Fall nur Spiegelbild einer Gesellschaft, die es auch ansonsten für verzichtbar hält, mit nationalen Symbolen die Einheit der Nation zu demonstrieren. Daß Journalisten die Schlesier Podolski und Klose als „Polen“ ausgemeinden, ist ein zusätzliches Ärgernis und zeigt, daß die Desintegration schon unter Deutschen beginnt.

JF 24/10

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