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Gesetzesvorstoß in Spanien: Mit „Menstruationsurlaub“ und Feiertagen gegen den Kapitalismus

Gesetzesvorstoß in Spanien: Mit „Menstruationsurlaub“ und Feiertagen gegen den Kapitalismus

Gesetzesvorstoß in Spanien: Mit „Menstruationsurlaub“ und Feiertagen gegen den Kapitalismus

In Spanien sollen Frauen künftig "Menstruationsurlaub" nehmen können Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Mascha Brichta
In Spanien sollen Frauen künftig "Menstruationsurlaub" nehmen können Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Mascha Brichta
In Spanien sollen Frauen künftig „Menstruationsurlaub“ nehmen können Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Mascha Brichta
Gesetzesvorstoß in Spanien
 

Mit „Menstruationsurlaub“ und Feiertagen gegen den Kapitalismus

Vor ein paar Jahren war ich in Österreich auf Jobsuche und war deswegen beim dortigen „Arbeitsmarktservice“ (AMS) zum Beratungsgespräch. Abgesehen davon, daß meine Beraterin ihre Unlust an der Arbeit kaum zu verbergen versuchte, hatte sie auch für mich eine demotivierende Botschaft: „Als Frau haben Sie nur ein kurzes Zeitfenster, um in der Arbeitswelt erfolgreich zu sein.“ Auf meine verdutze Frage, warum dies so sei, antwortete sie: „Erst hat der Arbeitgeber Angst, Sie könnten schwanger werden, dann werden Sie nicht gerne eingestellt, weil er Angst hat, die Kinder könnten krank werden und Sie von der Arbeit abhalten und wenn Sie dann 50 sind, will Sie auch keiner mehr!“

Ich hatte demnach also ein Zeitfenster von etwa fünf Jahren, in denen ich einem zukünftigen Arbeitgeber glaubhaft machen konnte, daß die Kinder aus dem Gröbsten seien und ich noch nicht verkalkt. Na wunderbar!

Nun befinde ich mich gerade mitten in diesem ominös-gnädigen Zeitfenster, bin ganz glücklich mit meinem Job und wundere mich über die Politik, die es den Frauen mit einer verfehlten Frauenpolitik noch schwerer macht, in der Arbeitswelt nachhaltig Fuß zu fassen. In Spanien hat die Regierung nämlich einem Gesetzesentwurf zugestimmt, der Frauen mit starken Menstruationsschmerzen ermöglichen soll, sich drei bis fünf Tage pro Monat frei nehmen zu können. Das Parlament muß dem noch zustimmen, es gilt aber als gesetzt.

Das hieße also, daß jede Frau, die sich vom Arzt attestieren läßt, „starke Regelschmerzen“ zu haben, ganze fünf Arbeitstage fehlen würde, alle drei Wochen. Diese Extra-Krankentage würden neben Urlaub, Feiertagen und gewöhnlichen Krankheitstagen einen Arbeitsausfall von bis zu 60 Tagen im Jahr bedeuten. Wer soll das alles bitte bezahlen?

Jeder Feiertag kostet Geld

In Spanien soll die Sozialversicherung dafür aufkommen, also wieder die Solidargemeinschaft. In Deutschland wird dieser Schritt genau beobachtet, schließlich wäre das spanische Modell auch was für deutsche Frauen – die taz schreibt schon von einem „Gamechanger“ bei den „reproduktiven Rechten“ für „Menschen, die Kinder bekommen können“. Hiesige linke Mitbürger feiern auch Madrid für die geplante Wiedereinführung des Rechts auf Abtreibung mit 16 Jahren ohne Zustimmung der Eltern.

Der Trend, Beruf und Freizeit in eine gesunde Balance zu bringen, hat den Bogen schon überspannt. Es geht längst nicht mehr um Arbeitnehmerrechte, sondern darum, ein ideologisiertes Menschenbild zu etablieren und dem verhaßten Kapitalismus ein Schnippchen zu schlagen. Daß dabei die Wirtschaft immer mehr leidet, scheint kaum zu kümmern. Da paßt es auch gut ins Bild, wenn Politiker der Grünen und der Linken fordern, Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, nachzufeiern. Für Berufspolitiker, die zumeist erst vom Elternhaus, dann vom Staat alimentiert worden sind, ist die Frage nach der Bezahlbarkeit dieses Begehrens wohl kein Thema.

Laut Wirtschaftsforschern kostet ein Feiertag, der auf einen Werktag fällt, etwa 3,5 Milliarden Euro. Geld, das später für Investitionen und Rücklagen fehlt. Geld, womit die Arbeitnehmer bezahlt werden.

Emanzipation funktioniert nicht über die Opferkarte

Schon jetzt hat Deutschland die kürzeste Jahresarbeitszeit innerhalb der Europäischen Union und feiert neben Dänemark die meisten Feiertage. Sogar Länder wie Großbritannien, Belgien oder Luxemburg, die bereits die Feiertagsnachholung praktizieren, kommen nicht auf höhere Zahlen als Deutschland. Nur Spanien begeht noch mehr gesetzliche Feiertage. Das ist schön für die spanischen Arbeitnehmer, aber schlecht für die Volkswirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt von Spanien lag im Jahr 2021 bei rund 1,43 Billionen US-Dollar, das von Deutschland bei etwa 4,2 Billionen Dollar. Diese Zahlen spiegeln sich in Spanien auch im desolaten Zustand des Bildungs- oder Gesundheitssystems wider.

Ich stehe hier nun in meinem „Zeitfenster“ und frage mich, was denn in den vergangenen 30 Jahren in diesem Land passiert ist. Als Mädchen wurde ich dazu erzogen, mein Bestes zu geben und nicht nach Gelegenheiten zu suchen, bei denen ich die Opferkarte spielen kann. Den Mädchen und jungen Frauen wünsche ich mehr Mut und Besonnenheit, denn der Weg zu einer gesunden Emanzipation, von was auch immer, führt nicht über den Opferstatus.

In Spanien sollen Frauen künftig „Menstruationsurlaub“ nehmen können Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Mascha Brichta
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